Ist Religionsfreiheit kein Menschenrecht (mehr)?

13. November 2013


Gestern hatte ich über die Wahl neuer Mitglieder für den UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) berichtet. Es ist eingetreten, was zu befürchten war: Von den „glorreichen“ Sieben wurden sechs gewählt (China, Vietnam, Kuba, Russland, Algerien und Saudi Arabien), einzig Jordanien fiel durch. Dafür kamen mit Marokko und den Malediven zwei andere „Problemstaaten“ hinzu. Die Wahl war geheim.

Nun sitzen ab dem 1.1.2014 also folgende 48 Länder im UN-Menschenrechtsrat:

Algerien
Argentinien
Äthiopien
Benin
Botswana
Brasilien
Burkina Faso
Chile
China
Costa Rica
Deutschland
Elfenbeinküste
Estland
Frankreich
Gabun
Großbritannien
Indien
Indonesien
Irland
Italien
Japan
Kasachstan
Kenia
Kongo
Kuba
Kuwait
Malediven
Marokko
Mazedonien
Mexiko
Montenegro
Namibia
Österreich
Pakistan
Peru
Philippinen
Polen
Rumänien
Russland
Saudi Arabien
Sierra Leone
Südafrika
Südkorea
Tschechische Republik
USA
Venezuela
Vereinigte Arabische Emirate
Vietnam

Legt man nun die Liste mit den 50 Ländern daneben, in denen laut Open Doors die Christenverfolgung derzeit am schlimmsten ist, ergeben sich einige Übereinstimmungen (in Klammern die Platzierung im Weltverfolgungsindex 2013):

Saudi Arabien (2)
Malediven (6)
Pakistan (14)
Äthiopien (15)
Vietnam (21)
Vereinigte Arabische Emirate (26)
Algerien (29)
Indien (31)
Kuwait (33)
China (37)
Marokko (39)
Kenia (40)
Indonesien (45)
Kasachstan (48)

Das heißt: In 14 der 48 Länder, die über die Einhaltung der Menschenrechte wachen sollen, werden Christen mehr oder weniger massiv verfolgt. Es scheint, dass Religionsfreiheit in der Menschenrechtspolitik der Vereinten Nationen nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn überhaupt.

(Josef Bordat)

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