Christentum. Islam. Dialog

13. Dezember 2013


Mir ist im Zusammenhang mit der Vorstellung des Lexikon des Dialogs u. a. vorgeworfen worden, ich sei eine „naive christliche Dumpfbacke“. Nicht, dass ich allzuviel dagegen einzuwenden hätte oder etwas daran ändern wollte (oder könnte); es gibt zudem sicher Schlimmeres, als eine „naive christliche Dumpfbacke“ zu sein – was mich erschreckt, ist, dass die Feindbildlogik in Kreisen Einzug hält, in denen eigentlich die Logik der Feindesliebe maßgebend sein sollte.

Nun denn. Zur Sache.

Ich denke, wir sollten schon noch differenzieren zwischen Islam, Islamismus und islamistischem Terror, zwischen der Religion, ihrer politischen Vereinnahmung und deren gewaltsamen Folgen. Wenn wir das im Fall des Islam nicht tun, müssen wir uns als Lebensschützer ebenso die Ermordung von Abtreibungsärzten anrechnen lassen, auch wenn Mord mit Lebensschutz definitionsgemäß unvereinbar ist. Oder als Deutsche die Gewalt von Neonazis gegen „Ausländer“. Kant sagt: Moralische Urteile müssen verallgemeinerbar sein. Ich sage: Mutwillige Verallgemeinerungen sind unmoralisch. Ich glaube, so kann man sich das merken.

Wir sollten das eine tun, ohne das andere zu lassen: Man muss das Problem der weltweiten Christenverfolgung und der fehlenden Religionsfreiheit in islamisch geprägten Gesellschaften ansprechen (auch sehr deutlich) und gleichzeitig mit den gemäßigten Stimmen des Islam ins Gespräch kommen, um sie dadurch zu verstärken. Der Dialog ist ein Mikrophon für den moderaten Muslim, auf dass er schließlich auch innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft mehr Gehör finde und eine friedfertige Interpretation des Koran anrege. Dass dies ein langer Weg ist, dürfte allen Beteiligten klar sein. Doch: Eine andere Chance haben wir nicht, um zur friedlichen Koexistenz zu gelangen, hierzulande nicht und in der islamisch geprägten Welt erst recht nicht. Die Alternative wäre allenfalls eine Eskalation der Gewalt.

Es hat übrigens nur extrem wenig Sinn, einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Koran-Verse als Beleg einer prinzipiellen Gewaltdisposition des Islam anzuführen, wie das immer wieder geschieht. Man bedenke dabei, dass man auch aus der Bibel einzelne Verse isolieren kann, die – für sich genommen – erschreckend wenig von der Friedensorientierung des christlichen Glaubens erkennen lassen. Im Ergebnis stünde ein komplett unqualifizierter Umgang mit Heiligen Schriften (bzw. mit Texten überhaupt). Man muss nicht wissen, was Hermeneutik heißt, um zu ahnen, dass Texte (alle Texte) aus mehr als aus wohldefinierten Wörtern bestehen, dass Wörter vielmehr Begriffe bezeichnen, denen eine Bedeutung erst gegeben werden muss. Die Zuschreibung von Bedeutung ist unsere Aufgabe. Und so wie sich die Bibel in unterschiedliche Richtungen ausdeuten lässt, so kann es auch unterschiedliche Interpretationen des Koran geben. Dass es darüber unter Katholiken offenbar keinen Konsens gibt, überrascht mich sehr. Doch vermutlich ist diese Art von Überraschung im Preis inbegriffen – bei „naiven christlichen Dumpfbacken“.

(Josef Bordat)

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