Bolzplatzpathos

27. Dezember 2013


Wer ist das eigentlich: „Femen Germany“? Was steckt hinter jener mächtigen Organisation, die das Land seit Weihnachten in ihrem Bann gefangen hält und die Römisch-Katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttert?

„Femen Germany“ ist als Teil einer „weltweiten Bewegung“ seit 2012 auf Protestmission, um „die Gesellschaft wachzurütteln“. „Femen Germany“ hat auf Facebook fast 2000 „Gefällt mir“-Bekenntnisse. Gut, es gibt Konditoreien, Werbeagenturen und Volleyball-Kreisligisten, die haben fünfmal so viele, aber immerhin erhalten die Beiträge bei „Femen Germany“ locker 60, 70 „Likes“. Damit kann sonst nur ein 15jähriger rechnen, mit einem verwackelten Schnappschuss, auf dem er ein Glas Bier in Richtung Kamera streckt. Alles in allem scheint das Erfolgsprojekt „Femen Germany“ also längst in der Mitte der wachgerüttelten Gesellschaft angekommen.

Und jetzt auch noch das: „Femen Germany“ greift „die katholische Kirche“ an. Nach dem Abendländischen Schisma und Martin Luther endlich ein Gegner auf Brusthöhe. Einer, der mit allen Wassern gewaschen ist, einer, der nicht erst an Gott glaubt, sondern sich gleich selbst dafür hält, einer, der es „die katholische Kirche“ mal so richtig zeigt. Einer, der sich für nichts zu schade ist, einer, der „Erzbischoph“ schreibt. Einer, der die Welt endlich von allem Übel befreien wird, angefangen mit der Rechtschreibung.

Ich kenne das: Früher auf dem Bolzplatz war ich auch immer „Littbarski[1]“ oder „Tony Woodcock[2]“. „Ich bin Cullmann[3]! – Dann bin ich Engels[4]!“ Ich meine, Ontologie hin und her: Es funktioniert! Wichtig ist nur, wie man sich fühlt. Zum Beispiel: bedeutungsvoll. Und da sich der vorläufige Verdacht aufdrängt, „Femen Germany“ habe keine Bedeutung, die über die Bedeutung hinausginge, die ihr „Femen Germany“-Aktivistinnen beimessen, ist es doch gut, das sie das zumindest tun: Sich selbst ernst nehmen, wenn es sonst schon keiner tut. Es lebe das Pathos des Bolzplatz‘!

Anmerkungen:

[1] Pierre Michael „Litti“ Littbarski (*16. April 1960 in Berlin), ehemaliger Fußballprofi, u. a. beim 1. FC Köln.

[2] Anthony Stewart „Tony“ Woodcock (*6. Dezember 1955 in Eastwood), ehemaliger Fußballprofi, u. a. beim 1. FC Köln.

[3] Bernhard „Bernd“ Cullmann (*1. November 1949 in Rötsweiler), ehemaliger Fußballprofi, u. a. beim 1. FC Köln.

[4] Stephan Engels (*6. September 1960 in Niederkassel), ehemaliger Fußballprofi, u. a. beim 1. FC Köln.

(Josef Bordat)

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