Ein bisschen Spott muss sein

30. Dezember 2013


Wenn eine (angehende) Religionswissenschaftlerin katholischen Glaubens „Gardinenpredigten“ hält, sollte man sich warm anziehen. Tatsächlich ist das, was die Kollegin schreibt, kenntnisreich, von Erfahrung durchdrungen und sprachlich äußert reizvoll. In einer satirischen „Typologie des Atheisten“ charakterisiert sie nun ziemlich treffend fünf Sorten von Gottesleugnern.

Der augenzwinkernde Blick auf die mitunter etwas nervigen Zeitgenossen, an denen manchmal Selbstüberschätzung und bisweilen auch eine gewisse Verbissenheit auffallen, wahlweise gepaart mit fehlendem Ernst und mangelnder Sachkenntnis, bekommt von mir das höchste zu vergebende Kollegen-Lob: Das hätte ich nicht besser schreiben können!

Warum aber diese „Typologie“? Die „Gardinenpredigerin“ klärt auf: „Im Laufe der Zeit lernte ich, dass Angriff eine der besten Verteidigungen ist, da sich die meisten Kritiker als Vertreter eines gesellschaftlichen Consens und paradoxerweise zeitgleich unheimlich subversiv fühlten. Einerseits dachten sie, ihr Standpunkt sei für einen intelligenten Menschen sofort logisch ersichtlich und der einzig Vernünftige, andererseits hielten sie sich für unfassbar originell. Es kommt in jedem Fall überraschend für sie, wenn man sich über sie lustig macht.“

In einer Zeit, in der es für einen Katholiken überraschend ist, wenn man sich mal nicht über ihn lustig macht, ist die „Typologie“ eine wohltuende Abwechslung, zumal sie in der Diktion Grenzen achtet und die angesprochenen Atheisten im Grunde nur an das erinnert, was sie oft genug selbst einfordern: die vertretene Position zu reflektieren.

(Josef Bordat)

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