Die neusten Entwicklungen im Fall Tebartz-van Elst

20. Februar 2014


Gelder einer Stiftung für bedürftige kinderreiche Familien sei zweckentfremdet worden, um Mittel für den Bau des Limburger Diözesanzentrums zu beschaffen. So die Medien einhellig vor einigen Tagen. Ein Skandal! Ein Skandal? Ein Skandal ist vielmehr, dass dies genau so dargestellt wurde, obwohl längst bekannt war: Es ist einfach nicht wahr.

Ich hatte vorgestern über die neuen Entwicklungen im Fall Tebartz-van Elst referiert, dabei die mediale Darstellung der „Zweckentfremdung von Stiftungsgeldern“ übernommen und geschrieben: „Sollte es [..] wahr sein, dass Geld, das eigentlich armen Familien zugedacht war, für die Bezahlung von Handwerkerrechnungen verwendet wurde, so wäre dies zumindest moralisch falsch.“

Ja, wäre. Dass diese Überlegung aber auf falschen Annahmen basierte, muss wohl nicht mehr in den Konjunktiv gestellt werden. Denn offenbar ist die Sache mit der Stiftung nicht wahr, wie Daniel Deckers in der FAZ betont: „Die Stiftung war nie eine“. Im Klartext: „Die angebliche Stiftung ‚St. Georgswerk‘ war nie eine Stiftung, sondern ein sogenanntes Sondervermögen, das einst aus Bistumsmitteln und Spenden von Gläubigen entstanden und irgendwann dem Bischöflichen Stuhl zugeordnet worden war. Irgendwann wurde es auch nicht mehr beansprucht. Was davon in Gestalt von Immobilien, Vermögensanlagen und Darlehensforderungen übrig war, welchen Zweckbindungen es unterlag und was davon wie für die Finanzierung des Bischofshauses beansprucht wurde, ist in Limburg mittlerweile gründlich aufgearbeitet worden. Was daran moralisch anstößig oder gar justitiabel ist, weil möglicherweise Rechtsgeschäfte getätigt wurden, die einer Genehmigung bedurft hätten, diese aber umgangen wurde und die Geschäfte deswegen nichtig sind, wird sich weisen, sobald der Prüfungsbericht vorliegt. Sicher ist nur: Stiftungsgeld wurde weder veruntreut oder bestimmungswidrig verwendet, weil es die Stiftung nie gab.“

Also, die Sache mit den armen Menschen, die im Bistum Limburg trotz akuter Not im Dreck ihres Elends zurückgelassen werden, damit ein selbstherrlicher Kirchenfürst in flüssigem Gold baden kann, ist nicht wahr, sondern stimmt lediglich, insoweit sie zur Stimmung passt und zum Hauptanliegen der Presse in der Causa Tebartz-van Elst: nicht aufzuklären, sondern zu agitieren, um den Graben zwischen dem Prunk des Protzbischofs und der Armut beim Rest der Weltbevölkerung rhetorisch möglichst groß werden zu lassen. Wie armselig. Oder, eingedenk der Macht der Medien: ein Skandal.

(Josef Bordat)

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