Die Religiösen: Dumm, aber glücklich

25. Februar 2014


Psychologen von der University of Illinois haben die Ergebnisse einer methodisch eher fragwürdigen Studie zum Glück religiöser und nichtreligiöser Menschen veröffentlicht, nach denen die Religiösen ein glücklicheres, sozialeres, zugleich aber auch weniger durchdachtes Leben führen. Das berichtet der ORF.

Die Forscher haben Twitter-Nachrichten ausgewertet, indem sie Programme nach bestimmten Schlüsselwörtern suchen ließen, deren Verwendung (angeblich) auf Glück oder Unglück hindeuten. In der Gruppe der „Religiösen“ (um dazu zu gehören, reicht es, prominenten Christen zu „folgen“, warum auch immer) wurde beispielsweise mehr über „Liebe“ kommuniziert als in der Gruppe der „Nichtreligiösen“ (die dadurch identifiziert wurden, dass sie – Sie erahnen es – prominenten Atheisten „folgen“). Es stellt sich die Frage, ob das in der Zuschreibung der Probanden zu den Gruppen nicht bereits ein sehr oberflächliches Vorgehen ist. Noch unseriöser ist es, alleine Wörter und nicht etwa Worte zu analysieren. Wer etwa die Wirkung von Wörtern wie „nicht“ oder „keine“ kennt, zieht jedenfalls eine (zeitlich aufwändigere) Inhaltsanalyse einer maschinellen Identifikation von Zeichenketten vor.

Gläubige Menschen ließen sich, so ein weiteres Ergebnis der Studie, eher von Gefühl und Intuition leiten als von Reflexion und Analyse. Daraus zu schließen, dass sie eher „fühlen“ als „wissen“, unterliegt einem Kategorienfehler: „fühlen“ oder „analysieren“ sind Verben, die Prozesse beschreiben, „wissen“ beschreibt einen Zustand, nämlich die Verfügung über einen interpretierten Informationsgehalt. Zu Wissen kann man auf unterschiedlichen Wegen gelangen, je nach dem, was gewusst werden soll. Wer wissen will, was mit Wasser geschieht, wenn es erhitzt wird, muss die Veränderungen auf der molekularen Ebene analysieren, wer wissen will, ob das Badewasser warm genug ist, muss fühlen. Eine Analyse des energetischen IST-Zustands der Elementarteilchen in Wasserstoff und Sauerstoff führte nicht zur Beantwortung der Frage: „Kann ich da jetzt rein?“.

Aber seien wir nicht zu spitzfindig. Die Studie bedient immerhin ein gängiges Klischee: Gläubige Menschen sind dumm, aber glücklich. Und, bevor man Zweifel am eigenen Unglauben bekommt, schieben die Illinoiser Psychologen kurzerhand nach, dass das Glück der Gläubigen nicht vom Glauben, sondern von den sozialen Phänomenen der Religion herrühre: der Bildung von stützender Gemeinschaft. Das können Atheisten auch, analytisch-reflektiert wie sie nun mal sind. Die Erfahrung, dass es sich bei der religiösen Gemeinschaftsbildung nicht um einen kühl kalkulierten Glücksgenerator handelt, ja, dass gelingende Gemeinschaft immer einen höheren Zweck in ihre Mitte nimmt, kann man getrost der gefühlsverklärten Intuition der Gläubigen zuschreiben. Wissen die Analytiker – ganz frei von Emotion.

(Josef Bordat)

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