Maßnahmen gegen die Sprachlosigkeit

22. März 2014


Wenn man die Kommentare in Deutschlands führendem Nachrichtenmagazin zu einem Bericht über den Diebstahl in der Villa des Augsburger Altbischofs Walter Mixa liest, als Ausländer etwa, beispielsweise im Rahmen eines Deutschkurses, könnte man meinen, Deutschland bestehe aus antiklerikalen Sadisten, die sich an einer Straftat gegen einen Bischof ergötzen („Wohl-Tat“) und sich in Häme („Wie wärs mit einer Zelle in einem Kloster? Warum braucht ein älterer alleinstehender Mann mehr als Bett, Tisch und Stuhl?“) und Schadenfreude („Noch ein wenig Altmetall als edle Spende an unsere Nachbarn. Darf es auch noch etwas Bronze in Form einer Kirchenglocke sein?“) zu übertreffen versuchen und für die der tatsächliche Wahrheitsgehalt jemals in die Diskussion geworfener Vorhaltungen längst unerheblich ist, weil alles, was negativ über den Bischof gesagt wurde, definitionsgemäß wahr sein muss („Hier hilft nur noch die Prügelstrafe für die Täter. Mixa wird das durch die jahrelange, heilige Ausbildung im Ohrfeigen von Jungen sicherlich übernehmen.“ – „Hat der Herr Bischof nicht Geld aus einem Waisenfond veruntreut, um damit goldene Siegelringe (und anderes) anzuschaffen?“), sowie aus Hobby-Kriminologen, deren Fallkenntnis jede weitere Ermittlung zu den Tätern überflüssig macht: „Bestimmt wieder Fachkräfte aus Bulgarien und Rumänien.“

Gut, in Zeiten von „Vernichtungsfreude“ (Martin Mosebach über die Lewitscharoff-Debatte) sowie „Lust auf Menschenjagd“ (Gerhard Ludwig Kardinal Müller über den Umgang mit dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst) ist Jubel über Straftaten gegen Personen, die man nicht zu mögen hat, bloß eine weitere Facette zeitgenössischer Toleranz. Und das mit den Bulgaren und Rumänen sollte man nicht so eng sehen. Stimmt ja sicher auch irgendwie, wenn man die Statistik nur richtig liest.

Ich habe das Glück, dass ich schreiben kann. Damit überliste ich regelmäßig die sich situativ einstellende Sprachlosigkeit. Und den Menschen, denen ich versuche, unsere deutsche Sprache etwas näher zu bringen, rate ich von Deutschlands führendem Nachrichtenmagazin ab. Ja, so könnte das funktionieren. Bis auf weiteres.

(Josef Bordat)

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