Verstößt die Taufe Minderjähriger gegen das Grundgesetz?

31. März 2014


Ein „Prof. Dr. Uwe Hillebrand“ hat laut Humanistischem Pressedienst Verfassungsbeschwerde gegen die kirchliche Praxis eingelegt, auf Wunsch der Erziehungsberechtigten auch religiös Unmündige zu taufen. Er wägt dazu – offenbar als juristischer Laie – verschiedene Grundrechte gegeneinander ab, insbesondere die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern, und kommt zu dem Schluss, dass die Kindstaufe verfassungswidrig ist.

Die Argumentation läuft im Großen und Ganzen analog zu der gegen die Beschneidung: das Kindeswohl überragt alles und ist am besten dadurch verwirklicht, dass die Eltern ihr Kind weitestgehend in Ruhe lassen. Es drängt sich jedoch im Verlauf der Darlegung, in der es dann sehr schnell Richtung Kirchensteuer geht, der Verdacht auf, dass hier nicht in erster Linie Kinder zu ihrem eigenen Wohl vor der Religion ihrer Eltern geschützt werden sollen, sondern dass nach Judentum und Islam nun endlich auch dem Christentum der Zugriff auf die nächste Generation verwehrt werden soll. Zumindest kann man es ja mal versuchen.

Die entscheidende Frage dürfte dabei die nach dem Wesen der Religion sein. Wofür hält unsere Verfassung die Religion? Dazu sagt sie nichts, und die Rechtsprechung ist uneinheitlich in der Beurteilung. Die Kirche hält die Religion für einen entscheidenden Lebensvollzug des Gläubigen, ohne den so etwas wie „Erziehung“ Dritter gar nicht denkbar ist. Damit würde das Verbot, das eigene Kind in der selbst praktizierten Religion aufzuziehen, einer Entmündigung christlicher Eltern gleichkommen – und nichts anderes als ein solches Verbot resultierte unmittelbar aus einer Verfassungswidrigkeit der Kindstaufe.

Fraglich auch, wie die religiöse Unmündigkeit des Kindes mit dessen religiöser Selbstbestimmung zusammenpasst. Offenbar gut, solange die Eltern von der Freiheit Gebrauch machen, ihr Kind von Religion fernzuhalten (obgleich auch darin eine Entscheidung liegt, welche die Religionsfreiheit des Kindes betrifft). Offenbar schlecht, wenn Eltern ihr Kind in einem religiösen Glauben erziehen wollen, der auch noch gemeinsam ausgeübt werden soll, was die Taufe – wenn der Glaube der an Jesus Christus ist – unbedingt nötig macht.

Ich glaube, dass die Kirchen dem etwaigen Entscheid aus Karlsruhe einigermaßen gelassen entgegensehen können. Das sage ich als juristischer Laie.

(Josef Bordat)

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