Hungertuchbetrachtungen (1)

14. April 2014


Erstes Bild: Brotvermehrung.

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät. Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Er erwiderte: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen geben, damit sie zu essen haben? Er sagte zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach! Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische. Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig. Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. Und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten. (Mk 6, 31-44)

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Die so genannte Speisung der Fünftausend ist eine Wundererzählung, die in allen vier Evangelien vorkommt, nicht nur bei den drei Synoptikern Matthäus, Markus und Lukas, sondern auch bei Johannes, der das Wunder der Brotvermehrung in die Nähe des Paschafestes rückt und es so mit dem Letzten Abendmahl verbindet, das Jesus mit den Aposteln feierte.

Markus berichtet, wie wir eben hörten, dass Jesus die Apostel fragt: „Wie viele Brote habt ihr? Geht und seht nach!“ Und dann wird nüchtern weiter erzählt: „Sie sahen nach und berichteten: Fünf Brote und außerdem zwei Fische.“ Bei Johannes hingegen heißt es: „Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische“. Es wird also ein Kind eingeführt in die Geschichte, das die Gaben, mit denen dann das Wunder geschieht, einbringt.

Und dieser kleine Junge, so könnte man meinen, der guckt hier so über den Tisch, während die große Menschenmenge im Hintergrund steht. Es wird ganz hell um die beiden Fische, sie leuchten, sie strahlen. Es sind die Gaben des Menschen, die als Gaben für Gott erst ihren eigentlich Wert erfahren, weil sie nur dann von Jesus verwandelt werden und zu Gaben für alle werden können.

Jesus gibt sich letztlich selbst, als Brot des Lebens, insofern passt der Bezug zum Letzten Abendmahl, den Johannes herstellt, sehr gut. Und so wie Jesus damals seine Jünger aufforderte, das Brot an die Leute auszuteilen, so fordert Er die Kirche, also uns alle, heute auf, die Gabe, die Er selbst ist, an die Leute auszuteilen.

Das kann auf materielle Hilfe hinauslaufen, dass man etwa eine Spende an Misereor macht oder an Brot für die Welt, das kann aber auch auf spirituelle Hilfe hinauslaufen, dass man an die seelisch hungrigen Menschen in Berlin, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, austeilt, kein Brot, kein Fisch, auch keine Fischbrötchen, sondern die Liebe Jesu, die sich in der Hinwendung zum Nächsten zeigt, gerade auch dann, wenn uns dieser Nächste fremd ist und fern steht. Und die Erzählung vom Brotwunder macht Hoffnung, dass sich diese Liebe dann ausbreitet. Und am Ende sogar noch ein Überschuss zu uns zurückkommt.

(Josef Bordat)

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