Hungertuchbetrachtungen (4)

17. April 2014


Viertes Bild: Eucharistie.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: Nehmt den Wein und verteilt ihn untereinander! Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Doch seht, der Mann, der mich verrät und ausliefert, sitzt mit mir am Tisch. Der Menschensohn muss zwar den Weg gehen, der ihm bestimmt ist. Aber weh dem Menschen, durch den er verraten wird. Da fragte einer den andern, wer von ihnen das wohl sei, der so etwas tun werde. (Lk 22, 14-23)

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Der eucharistische Tisch ist gedeckt. Der Herr spricht das Dankgebet. Deutlich zu erkennen sind Brot und Wein. Unter diesen Gestalten schenkt sich Jesus seinen Jüngern. Nur seinen Jüngern? Nein – uns allen! So ist die Mahlgemeinschaft auf dem Bild eine, die den Bevölkerungsquerschnitt Boliviens, des Landes also, in dem die Malerin lebt, ganz gut widerspiegelt. Junge und alte Menschen, gesunde und kranke, eine Indigena mit einem Baby im Arm.

Dieses Bild korrespondiert mit dem Bild links oben, das die Brot- und Fischvermehrung darstellt. Die anonyme Masse erhält jedoch nun Konturen und wird zur Gruppe, die sich um den Herrn versammelt. Die Personen erhalten ein Gesicht und können Jesus direkt begegnen. Entsprechend bildet die Mahlgemeinschaft keine Front mehr, wie in den beiden Bildern links und auch noch in dem rechts unten, sondern einen Kreis.

Im Vordergrund kniet ein Mann in roter Bekleidung und nimmt an einem der Gäste die Fußwaschung vor, die bei Johannes beschrieben wird. Er wirkt wie ein Kirchenvertreter, scheint stellvertretend für die Kirche im Liebesdienst am Nächsten zu stehen. Er übernimmt damit die Rolle Jesu. Die Künstlerin erinnert mit dieser Darstellung an den Auftrag zur Nachfolge, der uns allen gilt, der ganzen Kirche und jedem einzelnen Christen.

(Josef Bordat)

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