Quo vadis, Europa?

16. Mai 2014


Am 25. Mai sind Europawahlen. Im Vorfeld derselben ist mir gestern ein sehr informativer „Europa-Atlas“ der Heinrich Böll Stiftung in Zusammenarbeit mit Le Monde diplomatique, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und dem European Council on Foreign Relations ins Haus geflattert. Die Broschüre enthält übersichtliche Graphiken und umfangreiches Datenmaterial über Migration, Bildung, Energie, Mediennutzung, Kriege und Krisen, den Eurovision Song Contest („Ein Erfolgsrezept“), Demokratie und ihre schwankende Akzeptanz, Institutionalismus, Wirtschaft, Währung, Haushalt, Frauen, erwerbstätige Frauen, Asyl, Militärbündnisse, Handelsbeziehungen, Agrarpolitik, Verbraucherschutz, Internet, Kinder, hatte ich Energie schon? Ja, dazu „Atomkraftwerke in Betrieb“, Stromerzeugung und Probleme mit dem Smartphone („Euro-Barometer -Umfrage über unzulängliche Versorgung mit Netz. Inhalten, Januar 2014“).

Religion? Nein, von Religion ist nicht die Rede. Das Wort kommt in dem 50-Seiten-DIN A 4-Atlas über Europa nicht vor. Auch nicht Religionsgemeinschaft, Kirche, Kirchen, Christentum, Judentum, Islam, Gott, Gotteshäuser, Kreuz, Jesus Christus, Gebet, Papst, Spiritualität. Nichts. Dazu passt, dass SPD-Europaspitzenkandidat Martin Schulz sich für „Neutralität“ in Europa einsetzen und das Kreuz als Symbol des Christentums in den privaten Raum verbannen will. Was dabei am Ende herauskommt, steht bereits jetzt im „Europa-Atlas“ der Heinrich Böll Stiftung: Leere. Der Kontinent soll vergessen, dass Europa als kulturelles Konzept in seiner historischen Genese nicht nur auf den Hügeln des Olymp und den sieben Hügeln Roms, sondern auch auf dem Hügel von Golgatha errichtet wurde. Das christliche Erbe soll endgültig und unwiderruflich ausgeschlagen und der Bruch mit 2000 Jahren Kulturgeschichte vollzogen werden. Immerhin: Es winkt ein Eintrag in die Geschichtsbücher.

(Josef Bordat)

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