Folter. Moralisch falsch, juristisch wertlos

17. Mai 2014


Auch 30 Jahre nach der Verabschiedung der Antifolterkonvention der Vereinten Nationen wird weltweit gefoltert. Das stellt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einer jüngst erschienen Studie heraus. Aus 141 Ländern hat die Organisation in den vergangenen fünf Jahren glaubwürdige Berichte über Folter erhalten.

Der Jesuit Friedrich Spee sagt in seiner Cautio criminalis („Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse“, 1631), dass Folter schon allein aufgrund der zweifelhaften Aussichten auf Erfolg abzulehnen ist, also wegen der zum Zeitpunkt der Folter nicht beantwortbaren Frage, ob man durch sie wirklich der Wahrheit näher kommt. Spee hält Folter zwar wegen deren Grausamkeit auch für moralisch verwerflich. Er schreibt: „Kein deutscher Edelmann würde ertragen können, daß man seinen Jagdhund so zerfleischte. Wer soll es da mit ansehen können, daß ein Mensch so vielmals zerrissen wird?“ Doch vorderhand hält er die Folter für juristisch untauglich, weil sie in der Verfahrenspraxis zur fehlerhaften Beweisaufnahme führe. Folter ist für Spee zunächst und vor allem eines: ein untaugliches Rechtsmittel; sie sei insbesondere deshalb abzuschaffen.

Dem ist auch fast vier Jahrhunderte später nichts hinzuzufügen.

(Josef Bordat)

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