Offener Brief an Pfarrer Leinhäuser

13. Juni 2014


Pfarrer Carsten Leinhäuser („Vaticarsten“) hat in seinem Blog die Kritik an der Katholischen jungen Gemeinde kritisiert und seine Auffassung gestern noch einmal bekräftigt. Da ich mich auch (zumindest mittelbar) betroffen fühle, veröffentliche ich hier einen Offenen Brief an den Blogger-Kollegen.

Sehr geehrter Herr Pfarrer Leinhäuser,

lieber Blogger-Kollege Vaticarsten,

dass die Sache solche Kreise zieht und solche Spuren hinterlässt, ist wirklich bedauerlich. Abgesehen davon, dass es falsch ist, sich gegenseitig zu beleidigen, ist ja die Sache selbst eigentlich interessant genug, um sich mit ihr auseinanderzusetzen und eben sachlich zu streiten.

Der kritische Punkt an dem Papier – soweit ich es gelesen habe – ist meiner Ansicht nach der, wie denn die Forderung nach einer „Möglichkeit, eine Schwangerschaft abzubrechen“ begründet wird: mit der eigenen Freiheit („denn nur so kann die beschriebene Freiheit auch gelebt werden“). Das heißt: Das System funktioniert nur, wenn Unrecht ermöglicht wird. Das wiederum heißt: Das System funktioniert nicht.

Auf die ethische Problematik, dass hier (selbstbestimmter und -beschriebener) Freiheitsgebrauch auf Bedingungen angewiesen ist, die das Recht in der derzeit in Deutschland geltenden Form nicht gewährleisten kann (eine am christlichen Menschenbild orientierte Moral schon gleich gar nicht), muss man hinweisen dürfen, was ich auch tat.

Ich hoffe und glaube, dass auch Jugendliche die ungute (und nicht zuletzt auch unchristliche) Entkopplung von Freiheit und Verantwortung, die hinter ihrer Forderung steht, erkennen können und diese dann auch nicht mehr aufrecht erhalten wollen.

In der Tat widerspricht das ja auch der Praxis: Für die meisten Jugendlichen ist z.B. „Treue“ nach wie vor ein wichtiger Wert in einer Beziehung. Andererseits steigt (entgegen dem Gesamttrend in Deutschland) die Zahl der Abtreibungen bei Jugendlichen seit einigen Jahren wieder an. Zu vermuten ist, dass hier tatsächlich die Abtreibung als „nachträgliche Verhütung“ und nicht als Tötung eines ungeborenen Menschen angesehen wird.

Es wäre nun wirklich nicht gut, wenn ein katholischer Jugendverband auch nur den geringsten Anlass gäbe, diese Fehleinschätzung zu verbreiten. Das wiederum wäre wohl mit dem Papier nicht auszuschließen gewesen, hätte man es nicht zurückgenommen bzw. den kritischen Punkt gestrichen. Dass dies geschah, ist also der richtige Schritt.

Für die Zukunft kommt es wohl darauf an, die Position der katholischen Morallehre in klarer Sprache und nachvollziehbaren Argumenten Jugendlichen verständlich zu machen, um der konzeptionellen Verwirrung, die es in der zeitgenössischen Ethik gibt, nicht auch noch innerhalb der Kirche Vorschub zu leisten.

Herzliche Grüße,

Ihr

Josef Bordat

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