Toleranz. Repräsentanz ohne Präferenz

29. September 2014


Wenn 5000 Lebensschützer unter Polizeischutz durch Berlin ziehen, ist das dem deutschen Nachrichtenmagazin Tagesschau.de keine Nachricht wert. Völlig anders ist es, wenn 1000 Homosexuelle unter Polizeischutz durch Belgrad ziehen. Dann wird berichtet. Dass Polizeischutz nötig zu sein scheint, ist hier wie dort traurig. Man mag zum Lebensschutz und zu den Anliegen der demonstrierenden Homosexuellen stehen, wie man will: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden und Gewalt niemals ein Mittel der Auseinandersetzung. Toleranz bedeutet: das Fremde oder das Fremdgewordene auszuhalten.

Das ist aber jetzt gar nicht mein Thema. Mit geht es um ausgewogene Berichterstattung in den deutschen Qualitätsmedien. Und in diesem Zusammenhang ist nicht einzusehen, warum ein prominentes deutsches Nachrichtenmagazin wie Tagesschau.de über eine umstrittene Demonstration in der serbischen Hauptstadt ausführlich berichtet, eine umstrittene Demonstration in der deutschen Hauptstadt hingegen totschweigt, auch dann, wenn sie fünfmal größer ist. Auch das ist eine Form von Toleranz: Mediale Repräsentanz ohne ideologische Präferenz.

(Josef Bordat)

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