„Pegida“. Zahlenspiele

18. Dezember 2014


30 Prozent der Deutschen versteht das Anliegen „Pegidas“ nach eigener Auskunft „voll und ganz“ (Umfrage YouGov, 12/2014). 27 Prozent ist prinzipiell bereit, für dieses Anliegen aktiv zu werden und auf die Straße zu gehen (Umfrage Insa, 12/2014). Das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass 58 Prozent der Deutschen „Angst vor dem zunehmenden Einfluss des Islam in Deutschland“ hat (Umfrage Insa, 12/2014).

„Diese Zahlen sind erstaunlich hoch“, findet Spiegel Online, beeilt sich aber sogleich, das Erstaunen zu rationalisieren und so etwas wie Erklärungsnot gar nicht erst aufkommen zu lassen: „Allerdings scheint es, als wollten die Befrager auch ein ganz bestimmtes Ergebnis erreichen. Denn bereits die Aussage, die die Befragten beantworten sollten, stellt es als Faktum dar, dass der Einfluss des Islam in Deutschland wächst.“ (Hervorhebung im Original). Es könnte allerdings auch sein, dass die Befrager dies als Faktum darstellen, weil es ein Faktum ist:

1. Der Anteil der Muslime an der deutschen Wohnbevölkerung steigt seit Jahren und wird in Zukunft weiter steigen. Vor 20 Jahren waren es etwa 3 Prozent (2,5 Millionen), heute sind es etwa 5 Prozent (4,5 Millionen), in 20 Jahren werden es – seriösen Prognosen zufolge – etwa 8 Prozent sein (6,5 Millionen).

2. Es ist aufgrund von seriösen Prognosen zu erwarten, dass die Zahl der Muslime in Deutschland darüber hinaus weiter wächst, während der nicht-muslimische Bevölkerungsanteil schrumpft. Das führt insgesamt dazu, dass der Anteil der Muslime in Deutschland weiter steigen wird.

3. Zu erwarten ist, dass die Fertilität der Muslima sich im Laufe der Zeit dem Niveau der Nicht-Muslima anpasst, weil sich die sonstigen Lebensumstände ebenfalls angeglichen haben werden. Wenn wir für die drei 20-Jahre-Abschnitte ab 2035 einen degressiven Zuwachs von 4, 3 und 2 Prozent annehmen, betrüge der Anteil der Muslime in Deutschland am Ende des 21. Jahrhunderts 17 Prozent; das ist jeder sechste Einwohner.

4. Ob das nun viel oder wenig ist, ist eine Bewertungsfrage. Keine Bewertungsfrage ist hingegen, dass sich diese 17 Prozent nicht über Deutschland gleichverteilen, sondern, wie bereits jetzt, auf wenige Großstädte und Ballungszentren konzentrieren, die dann einen doppelten oder gar noch höheren Anteil an Muslimen verzeichnen werden. Es ist also nicht völlig abwegig, davon auszugehen, dass in der deutschen Hauptstadt Berlin am Ende des 21. Jahrhunderts 35 bis 40 Prozent der Menschen dem Islam angehören und Muslime in einigen Bezirken die – deutliche – Mehrheit stellen werden.

5. Aus den veränderten Mehrheitsverhältnissen resultieren dann qualitative soziale Veränderungen, insofern eben eine religiöse Orientierung, wie sie die Zugehörigkeit zum Islam darstellt, nicht nur kulturell, sondern auch politisch auf eine Gesellschaft einwirkt – auf die Metaebene der Willensbildung und Entscheidungsfindung ebenso wie auf die Sachebene der Handlungsfelder und Beschlussinhalte. Das zusammengenommen kann man dann durchaus „Einfluss des Islam“ nennen.

Fazit: Dass der „Einfluss des Islam“ in Deutschland zunimmt, ist ein Faktum. Dies zu leugnen, ist kontrafaktisch. Eine Erhebung, die korrekt auf das Faktum hinweist, „fragwürdig“ und das erzielte Ergebnis „angeblich“ zu nennen, wie dies Spiegel Online tut, ist tendenziös. – Man kann gegen „Pegida“ sein, vielleicht soll man es sogar. Nur: So nicht.

(Josef Bordat)

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