Die Suche der Sterndeuter

6. Januar 2015


Heute feiern wir das Fest der „Heiligen Drei Könige“, wobei völlig unklar ist, ob die, um die es geht, wirklich zu dritt unterwegs waren. Matthäus – der einzige Evangelist, der etwas mehr über die Besucher „aus dem Osten“ (vermutlich aus Babylon) aussagt – nennt keine Zahl. Dass es wohl weniger Könige als vielmehr Gelehrte waren (wobei das eine das andere nicht notwendigerweise ausschließt), geht ebenfalls aus dem Text klar hervor, der von „Sterndeutern“ spricht (Mt 2, 1).

Sterndeutung war in der Antike eine Mischung aus Astronomie und Astrologie, aus Wissenschaft und Religion. Die Sterndeuter waren Priester, die sich nicht nur mit dem Himmel, sondern auch am Himmel gut auskannten und zu erstaunlichen Berechnungen fähig waren. Die Priester-Forscher sind gekommen, um dem Kind zu huldigen, an dessen Krippe sich wie es scheint die Wege von Menschen aus allen sozialen Schichten, von nah und fern kreuzen. Sie kamen zu Jesus, weil sie „seinen Stern aufgehen“ sahen (Mt 2, 2).

Und das zunächst ganz astronomisch. Eine Himmelserscheinung war es, die sie den beschwerlichen Weg von Babylon nach Bethlehem hat antreten lassen. Matthäus spricht von einem „Stern“. Was genau war dieser „Stern von Bethlehem“? Vor einiger Zeit besuchte ich mit meiner Frau einen Vortrag zu genau diesem Thema im Berliner Planetarium am Insulaner. Der Referent stellte zunächst verschiedene weniger wahrscheinliche Möglichkeiten vor (Komet, Super-Nova), ehe er zu einer Theorie kam, die substanziell auf Forschungen Johannes Keplers zurückgeht: eine dreifache Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Sie fand 7 v. Christus statt, was zeitlich passt. Der astrologischen Bedeutung nach ohnehin: Der Jupiter ist der „Königsstern“, der Saturn galt als kosmische Repräsentation der Juden (das englische „Saturday“ für Sabbat erinnert daran) und die Fische stehen für „Geburt“. Auch die anderen Phänomene, die Matthäus beschreibt – das „Voranziehen“ und „Stehenbleiben“ (Mt 2, 9) – ließen sich, so der Referent, astronomisch erklären.

So beeindruckend das alles ist – entscheidend ist etwas anderes: der Zweck des Besuchs. Noch einmal: Die Sterndeuter sind zum Kind in der Krippe gekommen, „um ihm zu huldigen“ (Mt 2, 2). Das Niederfallen und das Huldigen sowie die kostbaren Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – machen die Reise nicht nur zu einer wissenschaftlich erfolgreichen Feldforschung, sondern zeigen den Weg der Heiden zu Christus: auf Zeichen achten, in Demut sich nähern, sich verschenken.

Edith Stein hat in einer Betrachtung zum Dreikönigstag 1940 die Suche der Sterndeuter in diesem Sinne als Bild für die universale Suche nach Wahrheit beschrieben: „Die Könige sind an der Krippe als Vertreter der Suchenden aus allen Ländern und Völkern. Die Gnade hat sie geführt, ehe sie noch zur äußeren Kirche gehörten. In ihnen lebte ein Verlangen nach der Wahrheit, das nicht haltmachte vor den Grenzen heimischer Lehren und Überlieferungen. Weil Gott die Wahrheit ist und weil er sich finden lassen will von denen, die ihn von ganzem Herzen suchen, mußte diesen Weisen früher oder später der Stern aufleuchten, der ihnen den Weg zur Wahrheit zeigte. Und so stehen sie jetzt vor der menschgewordenen Wahrheit, sinken anbetend nieder und legen ihre Kronen zu Füßen, weil alle Schätze der Welt nur ein wenig Staub sind im Vergleich zu ihr.“

Auch wir Christen sind auf dieser Suche, wir sind Weggefährten der Sterndeuter. Wir jedoch haben einen Vorteil: Für uns ist Christus selbst der „Stern“ – verstanden als Licht in der Dunkelheit, das klein und schwach sein mag, doch nur, weil der Abstand so groß ist. Nähern wir uns dem Herrn, wird Sein Licht immer heller. Er ist der „Stern“ der Wahrheit, weil Er als bleibende, vertrauenswürdige Richtungsanzeige die im Leben nötige Orientierung gibt. Mit anderen Worten: Jesus ist der Stern, dessen Licht uns zu Gott selbst führt.

(Josef Bordat)

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