Die Geschichte einer Umkehr

13. Januar 2015


Thorsten Hartungs Weg vom Kriminellen zum Christen. Bewegend, packend, nachdenklich machend.

Es ist Jesus selbst, der die höchste Wertschätzung gegenüber Menschen zeigt, die nach durchlittenen Lebenskrisen und nach absolvierter „Schiefer Bahn“, ja, sagen wir es ruhig: nachdem sie richtig Mist gebaut haben, die Kraft zur Veränderung aufbringen und umkehren zu Gott. Die Freude im Himmel über solche Menschen, das versichert Jesus den Jüngern (die zum Teil selbst keine lupenreine Vergangenheit hatten), wird groß sein im Himmel, größer als über die Gerechten, die vielleicht nie in die Verlegenheit kamen, moralisch existentiell auf die Probe gestellt zu werden.

Ständig führt Jesus diesen Gerechten den Abschaum Israels vor, die Dirnen und die Zöllner, und behauptet, diese kämen eher in das Reich Gottes als sie, die über theologischen Sachverstand und religiöse Autorität verfügen. Freilich nur, wenn sie sich ihrer Schuld bewusst werden und künftig von ihrem Verhalten ablassen, wenn sie erkennen, dass sie Sünder sind und in Zukunft das Sündigen lassen. Und genau diese Erkenntnis traut Jesus Dirnen und Zöllner eher zu als Pharisäern und Schriftgelehrten, und er traut ihnen auch zu, die zwingende Konsequenz zu ziehen: ihr Leben zu ändern, neu zu beginnen. Diesmal mit Gott.

Einer der populärsten Christen, ohne den das Abendland wohl heute noch heidnisch wäre, war früher ein Christenverfolger: Paulus, der Völkerapostel. Als er noch Saulus hieß, spricht Jesus ihn an – in einer Erscheinung, die den Religionspolitiker, der vor Gewalt nicht zurückschreckte, zur Umkehr bewegt. Er wird nun selbst verfolgt, steht für Jesus ein, verkündet und verteidigt Seine Botschaft und findet für Ihn schließlich den Tod.

Die Einstellung Jesu düsteren Halbweltgestalten und knallharten Verbrechern gegenüber sollte jedem Christen zu denken geben, auch heute, im Zeitalter der allgemeinen Selbstgerechtigkeit, in dem Sünde, Reue und Umkehr kaum noch eine soziale Bedeutung haben. Doch Wandlungen vom Saulus zum Paulus gibt es auch heute, gesellschaftlich weit weniger bedeutsam als das historische Leitbild, doch für die Einzelne und den Einzelnen eine existenzielle Erfahrung. Es gibt sie: Menschen mit „Dreck am Stecken“, die zu Gott finden und sich ändern, die aufhören, mit Drogen zu dealen oder Autos zu schieben, die von ihrer Sucht loskommen. Sie finden Christus und lassen sich von Ihm zur Freiheit befreien, zu einer Freiheit, die anders ist als die, die man kaufen oder fixen kann. Ja, es gibt solche Menschen.

Einer von ihnen ist Thorsten Hartung. Sein Strafregister ist lang, die Zeit im Gefängnis war es auch. 15 Jahre saß er ein, u.a. wegen Mordes. In den Jahren der sozialen Läuterung hat er nachgedacht und ist zum Glauben gekommen. Wie das geschah, welche Auswirkungen es hatte und wie er heute lebt – als innerlich und äußerlich freier Mann –, davon erzählt er in seiner gemeinsam mit dem Journalisten Christoph Fasel verfassten Biographie Du musst dran glauben. Vom Mörder zum Menschenretter, die unlängst im Adeo-Verlag erschien. Erzählt wird die Kriminellenkarriere und ihre strafrechtliche Konsequenz, erzählt wird die Konversion – und ihre Konsequenz: ein Neuanfang in der Nachfolge Christi, im Einsatz für den Nächsten, mit der Botschaft des Evangeliums im Rücken: Kehrt um! Die Schilderung ist sachlich, klar und glaubhaft. Und gerade deshalb bewegend, packend, nachdenklich machend.

Natürlich kann man trotz des eindrucksvollen Lebenszeugnisses skeptisch sein. Wie ernst meint es Thorsten Hartung? Im Moment ist da noch die Begeisterung des Konvertiten, der ein neues Leben beginnt (und das ist gut so, jedenfalls weit besser als das alte). Aber was, wenn die erste Glaubenskrise kommt? Was, wenn im Glaubensalltag die Wüste der scheinbaren Beliebigkeit den letzten Tropfen Schweiß kostet? Was, wenn sich Gott verhüllt und es hinab geht in die Schwarze Nacht der Einsamkeit einer angefochtenen Seele? Was wird vom Konversionselan noch übrig sein, in zehn, zwanzig Jahren? Nun, das weiß ich nicht. Und Thorsten Hartung weiß es auch nicht. Doch er kann im Glauben an den Gott der Bibel auf Jesus Christus zählen, der selbst zum Verlassenen wurde. Und bis dahin kann er mit der Freude wuchern, die er nun in sich trägt, wegen seiner neuen Freiheit, und auch, weil er von Jesus selbst erfährt, dass sich der Himmel über ihn freut, über den verurteilten Straftäter, der zum Glauben kam. Und wir, die Gerechten, können von Thorsten Hartung eine ganze Menge lernen.

Bibliographische Daten:

Thorsten Hartung / Christoph Fasel: Du musst dran glauben. Vom Mörder zum Menschenretter.
Asslar: Adeo-Verlag.
224 Seiten, EUR 17,99.
ISBN-13: 978-3863340292.

(Josef Bordat)

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