Zitat. Ende

12. Februar 2015


Des Autors größtes Glück auf Erden:

ab und an zitiert zu werden.

Wenn es etwas gibt, das Autoren glücklich macht, dann der Umstand, zitiert zu werden. Und das Internet mit seinen Suchmaschinen hilft dabei, herauszubekommen, von welcher Seite einem dieses Glück zu Teil wurde. Dabei kommt Skurriles, Witziges und manchmal auch Erstaunliches zum Vorschein.

So werde ich von einem vietnamesischen Kollegen in einem Gedicht verarbeitet:

„Ngày xưa tiến sĩ Marx
Chính là người khởi đầu
Coi tôn giáo thuốc phiện
Thôi có chối vào đâu!

Nay Josef Bordat
Là tiến sĩ thời này
Cũng vẫn là người Đức
Lại đưa thỉnh nguyện thư!

Chủ yếu đòi cải thiện
Nhân quyền tại Việt Nam
Nhất là về tôn giáo
Quả người Đức chịu chơi!

Marx đi vào Việt Nam
Bằng con đường đại ngạch
Bordat vào Việt Nam
Bằng con đường tiểu ngạch!

Đúng là người Việt Nam
Ở giữa hai anh Đức
Một anh là ‚đỉnh cao‘
Một anh cao hơn nữa!“

Da mein Vietnamesisch etwas eingerostet ist, kann ich mit etwas Mühe neben meinem Namen gerade noch „Marx“ erkennen. Vielleicht konstruiert das Gedicht ja einen Gegensatz (Motto: Nicht alle Deutschen ziehen aus der schon ganz richtigen Analyse die völlig falschen Schlüsse!). Das würde mich freuen. Wissen tue ich es jedoch nicht.

Und ich weiß auch nicht, ob ich in leicht angetrunkenem Zustand wirklich schon mal „Marksista: Novac donosi rat. Kapitalista: Rat donosi novac. Pragmatičar: Novac donosi sve.“ gesagt habe, wie eine Zeitschrift in der Rubrik „Finansijski Aforizmi“ behauptet.

So richtig schlau werde ich auch nicht daraus, was ich wohl hierzu beitragen konnte: „К четвертому виду источников относятся материалы периодических“, aber in der Nähe steht nun mal mein Name. Und „Зрештою, основною метою душі стає її прагнення бути порожньою від усього, в тому числі і від Бога, хоча водночас і для Нього“ muss wohl irgendwas mit Meister Eckhart zu tun haben, wenn man der Fußnote trauen darf.

Etwas klarer ist die Sache hingegen schon, wenn es heißt: „Josef Bordat izpostavlja dva glavna problema pri konceptu o pravicah živali po Petru Singerju“. Also, ich hab irgendein Problem mit Peter Singer. Stimmt. So richtig heimisch fühle ich mich, wenn es im Kapitel „Globalisering en internationalisering: mode of noodzaak?“ irgendwo heißt: „Vgl. ook Bordat 2006“. Heel erg bedankt!

Und dann gibt es natürlich die ultimativen Bauchpinsler der Art: „Mittelstrass (2010) and Bordat (2012) distinguish between information knowledge and orientation knowledge in a similar way as Aristotle’s distinction of speculative knowledge and practical knowledge.“ Mittelstrass und Aristoteles. Dazwischen – wer? Also, das ist in etwa so, als sagte man: „Beim FC Bayern München und den Sportfreunden Neu-Eichbach unterscheidet man in ähnlicher Weise zwischen gelungenen und nicht gelungenen Transfers wie das Real Madrid schon seit langem tut.“ OK. Warum nicht?

Das Münsteraner Forum für Theologie und Kirche rät der Leserschaft unterdessen: „Vgl. Die Welt und J. Bordat“. Bin ich schon so weit entrückt, dass man mich dem Diesseits gar nicht mehr zurechnen mag?

In diesem Kontext, Aachener Zeitung, eine Randinformation: Ich lebe noch. Und keiner meiner zitierfähigen Texte ist älter als 30 Jahre. Es ist daher etwas neben der Spur zu schreiben: „sagte der Publizist und Autor Josef Bordat einst“ (Hervorhebung von mir). Das kann in Wahrheit auch letzte Woche gewesen sein.

Obwohl – man weiß es nicht. Aus der Abteilung „Wissenschaft und (Zitations-)Technik“ gelangt eine akademische Qualifikationsarbeit in den Blick, in der mehrfach „J. Bordat, 2004, nach John Locke“ zitiert wird. Also, John Locke nach „J. Bordat“ zu zitieren, das ist mutig, „J. Bordat“ nach John Locke zu zitieren, etwas übermütig.

Wie dem auch sei: Vielen Dank zusammen!

(Josef Bordat)

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