Die Sendung mit dem Missbrauch

16. März 2015


Muss man eine Sendung über Missbrauch in der Katholischen Kirche, die überschrieben ist mit „Das Schweigen der Männer“ noch sehen, um zu wissen, was kommt? Eine Sendung, die sich als „Zwischenbilanz“ ausgibt, die Bilanzierung jedoch unter die suggestive Leitfrage stellt: „Wie ehrlich meint es die katholische Kirche wirklich mit der Aufarbeitung?“ Eine Sendung, in der dafür extra „hinter die Mauern der katholischen Kirche geschaut“ wird? Eine Sendung, die „namhafte Katholiken zu Wort kommen [lässt], die die Verbindung von Priesteramt und Zölibat hinterfragen“? Eine Sendung, die nachfragt, „wie frei die Wissenschaftler wirklich forschen können“? Eine Sendung, die belegen wird: „Kritiker beobachten, dass es der katholischen Kirche zuweilen mehr um das Wohl der Täter aus den eigenen Reihen als um das Schicksal der Opfer geht“? Eine Sendung, die zeigt: „Manche befürchten, die groß angekündigte wissenschaftliche Aufarbeitung sei nicht viel mehr als eine PR-Aktion der Bischöfe“? Eine Sendung, in der „klar [wird], dass viele Bischöfe ihren hehren Worten nur bedingt Taten folgen lassen und damit den Betroffenen, die bis heute unter ihrer Ohnmachtserfahrung leiden, ein weiteres Mal Leid zufügen“? Eine Sendung, die prüft, „ob die neuen kircheninternen Leitlinien zum Umgang mit den Tätern konsequent umgesetzt werden“? Eine Sendung, die Sexualpsychologen darauf hinweisen lässt, „dass der Zölibat Männer mit gestörter Sexualität anziehe und selbst bei psychisch gesunden Priestern zu einer ’seelischen Unterernährung‘ führen könne“?

Muss man eine solche Sendung noch sehen, wenn man weiß, dass die Katholische Kirche die einzige Institution in Deutschland ist, die das Thema Missbrauch überhaupt ernsthaft behandelt, sowohl was die Aufarbeitung der Vergangenheit betrifft als auch die Prävention für die Zukunft?

(Josef Bordat)

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