Nur ein Spiel?

26. April 2015


Was für ein unkonventioneller Tatort! Mit herrlich überdrehtem Witz und einer fast grundlosen Spannung wird in Niedere Instinkte (Leipzig; Saalfeld/Keppler) die tragische Geschichte von der fehlenden Demut des Menschen angesichts der Bedingtheiten seiner Existenz erzählt: Wer keine Kinder bekommen kann, der holt sie sich eben. Alles „nur ein Spiel“. In gelungener Inszenierung wird der Handlungsverlauf an den entscheidenden Stellen in sehr eindringlichen Bildern angedeutet. Der Frau mit den „niederen Instinkten“ geht am Ende das Lebenslicht aus – gefangen in dem von ihr geschaffenen Kunstparadies.

Und die Religion? Auch „nur ein Spiel“? Nein. Die Eltern des verschwundenen Mädchens nehmen den Glauben ernst – und werden prompt nicht mehr für voll genommen. Doch auch der Kommissar kann unter der Fassade des „Heiden“ seine Sehnsucht nach dem Glauben-Können nicht ganz verbergen. Zu dem Paar aus der „Sekte“ entwickelt sich eine enge Beziehung – verbunden mit existenzieller Erfahrung und einem Erlösungsversprechen, das schließlich – trotz zwischenzeitlicher Zweifel – gehalten wird. Der christliche Subtext dringt kurz an die Oberfläche.

Nur eines: Haben die Macher dieses Tatort irgendeinem Requisite-Praktikanten gesagt: „Hey, Du! Stell mal was Religiöses zusammen: Kreuze, Kerzen und so! Und diese Gebetskette, wie heißt sie noch?“ – „Rosenkranz?“ – „Genau!“ – „Geht klar!“ Denn dass ein Mitglied einer biblizistisch-kreationistischen Sekte ausgerechnet einen Rosenkranz um den Hals trägt, das Geschenk der Jungfrau Maria an den Gründer des Dominikanerordens, mithin Symbol jenes Katholizismus‘, der aus biblizistisch-kreationistischer Ecke dafür gerügt wird, sich nicht – zumindest nicht wortwörtlich – an die Bibel zu halten, ist was? Genau: nicht ganz stimmig.

(Josef Bordat)

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