Der Mörder spielt keine Rolle

3. Mai 2015


Der heutige Tatort aus Dortmund („Schwerelos“) lebte nicht von der Spannung bei der Frage „Wer ist der Mörder?“ (das hat man im Ausschlussverfahren ziemlich schnell raus bekommen), sondern durch zwei andere Dinge: Zum einen wird die Geschichte der vier ungleichen Ermittler weiterentwickelt, zum anderen werden ethische Fragen angerissen, die das Lebensende und das Ende am Anfang des Lebens betreffen.

„Wenn er eine Patientenverfügung gemacht hat, liegt er in ein, zwei Tagen bei mir auf dem Tisch“, meint die Gerichtsmedizinerin, die den Schwerstverletzten zu begutachten hat. Tatsächlich werden die Maschinen auf den ehedem erklärten Willen des Opfers hin abgeschaltet. Eine quälend lange Prozedur, die in Echtzeit gezeigt wird. Ein Novum im Tatort.

Und da ist Nora. Sie hadert seit ihrer Abtreibung mit dieser Lebens-Entscheidung. Weder anklagend noch verharmlosend wird ihr Ringen mit diesem Schritt die ganze Folge hindurch immer wieder angedeutet. Am Ende stellt sich heraus, dass die Origami-Figur, mit der sie fortwährend spielt, aus dem Ultraschallbild ihres ungeborenen Kindes gefaltet ist.

Es bleibt dabei: Was im Tatort aus Dortmund neben dem Mord geschieht (der heute noch nicht mal ein richtiger war) ist die eigentliche Hauptsache, für die es sich lohnt, den Fernseher einzuschalten.

(Josef Bordat)

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