Laudato Si

18. Juni 2015


Soeben wurde die zweite Enzyklika von Papst Franziskus veröffentlicht: Laudato Si. Papst Franziskus widmet sich darin ökologischen Fragen, eingedenk der „dringenden Herausforderung, unser gemeinsames Haus zu schützen“ (Nr. 13).

Um welche Herausforderungen geht es? Franziskus nennt in seiner Diagnose („Was unserem Haus widerfährt“) zahlreiche Gegenwartsprobleme wie die Umweltverschmutzung, den Klimawandel und die soziale Ungleichheit, kontrastiert das ungute Szenario mit der biblischen Schöpfungsbotschaft, analysiert die „menschlichen Wurzeln“ der Krise („fehlgeleiteter Anthropozentrismus“), schlägt das Prinzip der „ganzheitlichen Ökologie“ als Lösung vor und beschreibt konkrete Schritte auf einem Weg, der nur über den Dialog aller Beteiligten zum Ziel führt.

Ökologie ist für Franziskus – soviel lässt sich nach der ersten Durchsicht sagen – ein Containerbegriff. So gibt es für ihn auch eine Ökologie der Kultur und des Alltags, der Wirtschaft und der Gesellschaft. Benedikts Humanökologie wird aufgegriffen, sehr schnell jedoch depotenziert und funktionalisiert, insoweit sie zu einer Einrichtung umgedeutet wird, die (scheinbar allein oder vorrangig) dazu dient, den Platz des Menschen in der Natur zu entdecken: „Papst Benedikt XVI. sagte, dass es eine ‚Ökologie des Menschen‘ gibt […] Auf dieser Linie muss man anerkennen, dass unser Körper uns in eine direkte Beziehung zu der Umwelt und den anderen Lebewesen stellt“ (Nr. 154). Aus Sicht einer katholischen Lebensschutzethik ist das zu dünn.

Andererseits folgt im Anschluss gleich eine Absage an den Genderismus: „Zu lernen, den eigenen Körper anzunehmen, ihn zu pflegen und seine vielschichtige Bedeutung zu respektieren, ist für eine wahrhaftige Humanökologie wesentlich. Ebenso ist die Wertschätzung des eigenen Körpers in seiner Weiblichkeit oder Männlichkeit notwendig, um in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht sich selbst zu erkennen. Auf diese Weise ist es möglich, freudig die besondere Gabe des anderen oder der anderen als Werk Gottes des Schöpfers anzunehmen und sich gegenseitig zu bereichern. Eben deswegen ist die Einstellung dessen nicht gesund, der den Anspruch erhebt, ‚den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, weil er sich nicht mehr damit auseinanderzusetzen versteht'“ (Nr. 154).

Interessant ist das Schlusskapitel („Ökologische Erziehung und Spiritualität“), in der Franziskus auf Fragen des Lebensstils eingeht und damit an die Ethik gelungenen Lebens anknüpft. Dabei spielen die Sakramente und der Sonntag eine Rolle, wie auch das relationale Gottesverständnis des Christentums als Leitbild für eine dialogische Beziehungskultur auf dem Weg zu echter menschlicher Gemeinschaft: „Für die Christen führt der Glaube an den einen Gott, der trinitarische Communio ist, zu dem Gedanken, dass die gesamte Wirklichkeit in ihrem Innern eine eigentlich trinitarische Prägung besitzt“ (Nr. 239, Hervorhebung im Original) und „Die göttlichen Personen sind subsistente Beziehungen, und die Welt, die nach göttlichem Bild erschaffen ist, ist ein Gewebe von Beziehungen (Nr. 240).

Eine derart auf Gott bezogene Welt hat Zukunft. Nicht zuletzt deshalb, weil Gott in dieser Welt gegenwärtig ist und bleibt: „Gott, der uns zur großzügigen und völligen Hingabe zusammenruft, schenkt uns die Kräfte und das Licht, die wir benötigen, um voranzugehen. Im Herzen dieser Welt ist der Herr des Lebens, der uns so sehr liebt, weiter gegenwärtig. Er verlässt uns nicht, er lässt uns nicht allein, denn er hat sich endgültig mit unserer Erde verbunden, und seine Liebe führt uns immer dazu, neue Wege zu finden“ (Nr. 245).

Mein erster Eindruck: Ein ganz großer Wurf.

(Josef Bordat)

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