Das Geld der Anderen

23. Juni 2015


Oder: Staatsknete – Humanisten und Katholiken im Vergleich

Manchmal lohnt es sich doch, noch einmal etwas länger und intensiver zu recherchieren. Denn dann wird man auch fündig, was Zahlen zu den Finanzen des Humanistischen Verbandes angeht, die ich vor Kurzem erfolglos suchte. Ich fand jetzt eine detaillierte Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben des Landesverbands Berlin-Brandenburg (LVBB) für das Geschäftsjahr 2013 nebst Verweis auf den Geschäftsbericht. Diese Daten sind aussagekräftig.

Ich möchte die Zahlen einmal analysieren und dabei mit den Zahlen des Erzbistums Berlin (EBB) vergleichen. Relevant ist ausschließlich die Finanzierung des weltanschaulichen Bereichs; im Bereich der Kindergärten, der Schulen (Unterricht in Lebenskunde / Religionskunde), der Sozialeinrichtungen etc. ist die Förderung aus Steuergeldern bei Humanisten und Katholiken gleich – das heißt: gleich hoch. Ein Vergleich lohnt sich also insbesondere im „Kernbereich“ von LVBB und EBB, also von Aufklärung und Verkündigung, von Aufklärung und Seelsorge, von Aufklärung und Pastoral.

Der LVBB hat etwa 8.000 Mitglieder und erhielt von diesen im Jahr 2013 etwa 66.000 Euro Beiträge (pro Kopf etwa 8 Euro), die vollständig in die weltanschauliche Arbeit flossen. Die Beiträge der Mitglieder decken den Gesamtetat in Höhe von 49,5 Mio. Euro zu 0,1 Prozent. Rechnen wir zu den Beiträgen noch die Spenden in Höhe von 1,6 Mio. Euro (auch, wenn diese nicht zwangsläufig nur von Mitgliedern gekommen sein müssen), so erhöht sich der Anteil der Humanisten am Budget ihres Verbandes auf etwas über 3 Prozent.

Die Zuschüsse der öffentlichen Hand (also vor allem der Länder Berlin und Brandenburg, aber auch der Kommunen, des Bundes und der EU) für die weltanschauliche Tätigkeit sowie für Kindergärten, Schulen und Sozialeinrichtungen des LVBB beliefen sich im Jahr 2013 auf insgesamt 39,3 Mio. Euro (etwa 79 Prozent Steuerfinanzierungsquote, nach 91 Prozent vor zehn Jahren). Die Differenz (ca. 8,6 Mio. Euro, etwa 17 Prozent) wird durch die Einahmen aus den Projekten, Werbeeinnahmen, Mieten und Zinsen ausgeglichen. Insgesamt gab der LVBB im Jahr 2013 2 Mio. Euro weniger aus, als er eingenommen hat. Etwa 4 Prozent fließen damit in die Rücklage.

Für die weltanschauliche Tätigkeit gab der LVBB insgesamt etwa 809.000 Euro aus. Die Beiträge in Höhe von 66.000 Euro reichten dafür bei weitem nicht. Die Unterdeckung wurde durch Projekteinnahmen (162.000 Euro) sowie durch Senatszuschüsse (580.000 Euro) ausgeglichen. Das entspricht einer Steuerfinanzierungsquote der weltanschaulichen Arbeit von knapp 72 Prozent. Sie liegt damit nur geringfügig unter der Gesamtsteuerfinanzierungsquote von 79 Prozent.

Im EBB gibt es etwa 407.000 Kirchenmitglieder und erhielt im Jahr 2013 etwa 124 Mio. Euro Kirchensteuer (pro Kopf etwa 305 Euro), die zu etwa zwei Dritteln in die weltanschauliche Arbeit flossen; der Rest diente zur Finanzierung der Caritas (8 Prozent) sowie der katholischen Bildungseinrichtungen (26 Prozent). Die Kirchensteuer der Katholiken deckt den Gesamtetat des EBB in Höhe von 223 Mio. Euro zu knapp 56 Prozent.

Die Zuschüsse der öffentlichen Hand, also die Staatsleistungen (Dotationen) sowie die Zuschüsse für Kindergärten, Schulen und Sozialeinrichtungen des EBB beliefen sich im Jahr 2013 auf insgesamt etwa 78 Mio. Euro (etwa 35 Prozent Steuerfinanzierungsquote), davon 4 Mio. Euro Dotationen. Die Differenz (ca. 21 Mio. Euro, etwa 9 Prozent) wird durch die Einahmen aus der Tätigkeit des EBB (z.B. Schulgelder), durch Kollekten und Spenden, durch Mieten und Zinsen ausgeglichen; zudem wurden Rücklagen in Höhe von fast 4 Mio. Euro aufgelöst.

Halten wir fest:

1. Die Humanisten finanzieren ihren Verband zu 3 Prozent, die Katholiken zu 56 Prozent aus der eigenen Tasche.

2. Von dem Geld, das Humanisten über Mitgliedsbeiträge in ihren Verband stecken, wird 100 Prozent für weltanschauliche Aufgaben eingesetzt, 0 Prozent für gesamtgesellschaftlich relevante sozial-karitative und edukative Aufgaben. Von dem Geld, das Katholiken über die Kirchensteuer in ihren Verband stecken, wird 66 Prozent für weltanschauliche Aufgaben eingesetzt, 34 Prozent für gesamtgesellschaftlich relevante sozial-karitative und edukative Aufgaben.

3. Die Humanisten erhalten ihre Arbeit zu 79 Prozent vom Staat bezahlt, die Katholiken zu 35 Prozent.

4. Die Humanisten bekommen auch ihre weltanschauliche Arbeit weitgehend vom Staat bezahlt, die Katholiken hingegen gar nicht.

5. Die Humanisten können Rücklagen bilden, die Katholiken müssen Rücklagen auflösen.

Das gilt freilich nur für Berlin und Brandenburg. Für andere Regionen gelten andere Zahlen und Daten. Doch welche der beiden Seiten angesichts dieser Fakten das Recht hat, sich über staatliche Alimentierung, den geringen gesellschaftlichen Nutzen der Zuwendungen und steigenden Reichtum auf der jeweils anderen Seite des weltanschaulichen Ufers zu beschweren, sollte zumindest einmal in aller Ruhe bedacht werden.

(Josef Bordat)

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