Warum ich gegen die „Ehe für alle“ bin

3. Juli 2015


Ein Gastbeitrag von Dr. Benno Kirsch

Wenn man liest, was zur „Ehe für alle“ geschrieben und gesagt wird, scheint es ausgemachte Sache zu sein: Sie kommt. Die Argumente klingen ja auch gut. Warum sollte man nicht Diskriminierungen abbauen und Menschen fördern, die auf Dauer füreinander einstehen, unabhängig vom Geschlecht? Nun, es gibt einen Grund.

Die Frage der Volladoption ist in meinen Augen zentral. Um sie und um nichts anderes geht es. Schon jetzt gibt es das Institut der eingetragen Lebenspartnerschaft, das die beiden Partner in fast allen Belangen Eheleuten gleichstellt. Aber das kann nicht über den entscheidenden Punkt hinweghelfen: Die Natur hat es nicht so eingerichtet, dass homosexuelle Partner Kinder zeugen können. Um den dennoch vorhandenen Kinderwunsch zu erfüllen, muss man einen Vertrag eingehen, entweder indem einer der beiden Partner mit einem/r heterosexuellen Freund/in ein Kind zeugt, man zu einer Samenbank geht oder indem man eins adoptiert.

Auch heterosexuelle Paare haben nicht immer Kinder. Teils können sie aus irgendwelchen Gründen keine bekommen, teils wollen sie nicht. Immer aber besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass aus einer heterosexuellen Beziehung ein Kind hervorgeht – das ist die natürlichste Sache der Welt. Einen wie immer gearteten Anspruch auf ein Kind können sie daraus allerdings nicht ableiten.

Wenn man die Ehe für homosexuelle Paaren öffnet, dann wird das unweigerlich zur Folge haben, dass ein „Recht auf Adoption“ geschaffen wird. Außerdem wird man ebenso zwangsläufig Leihmutterschaft legalisieren müssen. Beides wird geschehen, um die „Diskriminierung“, dass aus homosexuellen Partnerschaften keine Kinder hervorgehen können, zu beseitigen.

Leider ist der Irrglaube, dass Erwachsene ein „Recht“ auf Kinder hätten, schon weit verbreitet. Und das Verbot der Leihmutterschaft ist kürzlich durch ein Gericht bereits unterlaufen worden. Das heißt aber nicht, dass man sich gegen diese Trends nicht zur Wehr setzen sollte. Insbesondere Leihmutterschaft ist eine neuartige Form des Menschenhandels und daher eine Verletzung der Würde der Mutter und ihres Kindes. Ähnlich verhält es sich beim „Recht“ auf Adoption: Auch hier werden Menschen zum Objekt gemacht. Es geht bei diesen Deals nicht um sie, sondern darum, dass sich Erwachsene ihren Kinderwunsch erfüllen.

Es überrascht mich, dass in der CDU Berlin über die Würde des Kindes und der „Leihmutter“ überhaupt nicht gesprochen wird. Das Zögern des Landesvorsitzenden Frank Henkel ist für mich unter diesen Umständen eine Ermutigung. Hoffentlich besinnt sich die Partei noch darauf, dass die Menschenwürde einer der zentralen Grundwerte ihrer Politik ist – oder zumindest sein sollte, wie ich finde – und erteilt dem Vorhaben, die „Ehe für alle“ einzuführen, eine Absage.

Benno Kirsch

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