Asyl. Und wir

5. Juli 2015


Sehr einfühlsam, zugleich sehr verstörend, zeigt der Tatort „Schutzlos“ (Luzern), was sich hinter „Asylsuche“ für alle Beteiligten verbirgt.

Freilich steht das tragische Schicksal der beiden Geschwister aus Nigeria im Zentrum, doch um ihre Geschichte herum sammeln sich die Begleiterscheinungen: Gutsituierte Kokainkonsumenten, ohne die es keinen Drogenhandel gäbe, Schlepper, die stets für „Nachwuchs“ unter den Dealern sorgen, skrupellose Hintermänner (und -frauen), Fluchtursachen wie Umweltzerstörung und mangelnde Perspektiven, verbunden mit der Frage, was das mit uns zu tun haben könnte, Behörden, denen die Hände gebunden sind, Klischees, die uns im Weg stehen.

Der Tatort hinterfragt in eindrücklichen Bildern und tragikomischen Randbemerkungen unser Schubladendenken, in dem wir uns bequem eingerichtet haben, mit dem wir trennscharf zwischen Migranten, die uns nützen und Migranten, die uns ausnützen, zu unterscheiden vermögen, ohne dass uns auffällt, wie absurd es ist, die wirtschaftliche Situation eines Menschen nicht als legitimen Fluchtgrund anzuerkennen, gerade so, als sei Hunger weniger dramatisch als kriegerische Gewalt.

Dass die gute Absicht auch noch hervorragend inszeniert wird (Regie führt Manuel Flurin Hendry), macht diesen Tatort zu einem der besten in der letzten Zeit.

(Josef Bordat)

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