Entschuldigung – lasset uns beten!

13. Juli 2015


Eigentlich sehr schön, die Stille Abendmesse in einer Wilmersdorfer Pfarrei. Der Zelebrant spricht eingangs über die Besonderheit des Montags, ein Tag, an dem oft viel anliegt, nach dem Wochenende, ein Tag, an dem man Abends zur Ruhe kommen sollte, idealerweise vor Gott. Genau das habe ich vor. Ich werde also abgeholt, wo ich stehe.

Der Wortgottesdienst verläuft tatsächlich ganz ruhig, kein Zwischengesang, auch kein Antwortpsalm. Das Evangelium vom Tage passt nicht so ganz zur friedlichen Stille, zur Ruhe des Augenblickt, prophezeiht Jesus doch stürmische Zeiten mit für Schwiegermütter. Und blutige Spaltung („Schwert“) zwischen denen, die zu Ihm halten und dem Rest der Welt.

Er redet also nicht von Entspannung, sondern von Entscheidung, nicht von Erholung, sondern von Verfolgung. Nun, denn. Entspannung und Erholung sind auch wichtig. Übermorgen beginnen die Ferien in Berlin. Schließlich ist immer noch Sommer in Deutschland. Rein theoretisch.

Dann die Eucharistiefeier. Heute, so hebt der Zelebrant mit – wenn ich richtig gehört habe – zitternder Stimme an, werde er mal, also, ausnahmsweise, wirklich, nur ausnahmsweise mal, das Erste Hochgebet nehmen. Er wolle, schickt er hinterher (so schnell, wie noch niemand je irgendetwas hinterhergeschickt hat), er wolle da nicht missverstanden werden, denn das Erste Hochgebet werde ja sonst oft mit Konservatismus in Verbindung gebracht und da solle man ihn nicht, auch wenn er nun das Erste Hochgebet nehmen werde, bitte sehr und auf keinen Fall und schlichtweg niemals einordnen, denn das sei er überhaupt nicht: Jemand, den man mit Konservatismus in Verbindung bringen sollte. Es klang wie: Ganz im Gegenteil. Es sei halt nur so, dass sich das Erste Hochgebet sehr gut eigne, für eine Versenkung und für ein Zur-Ruhe-Kommen. Schade, aber wahr, dass ausgerechnet dieses Erste Hochgebet sich dafür so gut eigne. Also, es komme auch nie wieder vor. Schon morgen läuft das alles ganz anders. Ich meine, wo käme man da hin, nähme man immer oder auch nur mehrheitlich das Erste Hochgebet! Wo soll das enden? Richtig, im Konservatismus bzw. in einem Mit-Konservatismus-in-Verbindung-Gebringe. Und da sei er außen vor – aber sowas von! Da könnten wir alle fragen – den Malte, die Gabi, den Pakistani vom Grill an der Ecke. Er nannte uns sieben Leumundzeugen, die alle versichern werden (auf Verlangen unter Eid), dass er, wenn er schon das Erste Hochgebet nimmt, dies nicht tut, weil er damit zeigen wollen würde, er sei dem Konservatismus zuzurechnen (wirklich lächerlich, dieser Vorwurf), sondern dass er das Erste Hochgebet trotz der Tatsache nimmt, dass man dieses mit Konservatismus in Verbindung bringt (eigentlich ja auch völlig zu Recht, nur eben in seinem Fall nicht, da er das Erste Hochgebet nur nehme, damit wir, die Gemeinde, besser zur Ruhe kommen und unsere Anliegen besser einbringen können).

Ich war drauf und dran, aufzustehen: „Ich habe zwei Fragen, Herr Pfarrer. Wie heißt die Kirche, in der sich ein Priester für eine gebräuchliche Form eines üblichen Ritus erst einmal lang und breit rechtfertigen muss? Und Frage zwei: Das Erste Hochgebet ist ja schon recht lang. Muss man da die Eucharistiefeier durch Rechtfertigungsdiskurse noch weiter in die Länge ziehen?“ Ich meine, wir essen zeitig. Auch, wenn das üblicherweise mit Konservatismus in Verbindung gebracht wird.

(Josef Bordat)

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