Flüchtlingsdrama. In Kamerun

13. August 2015


Alarmierende Nachrichten erreichen mich heute aus Kamerun. Reverend Robert Goyek Daga, Präsident der Church of the Lutheran Brethren of Cameroon (Lutherische Brüderkirche Kameruns), schreibt in einer E-Mail an einen persönlichen Kontakt in Deutschland, die dieser mir mit der Bitte um Verbreitung weitergeleitet hat, dass sich Kamerun derzeit einem Flüchtlingsstrom aus dem Nachbarland Nigeria ausgesetzt sieht.

Die Menschen fliehen in Scharen vor der Gewalt der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Zugleich nimmt die Zahl der Binnenflüchtlinge in Kamerun zu: Menschen fliehen aus der Grenzregion ins Landesinnere. Insgesamt seien über 100.000 Menschen betroffen.

Besonders tragisch ist, dass Kamerun derzeit nigerianische Flüchtlinge vermehrt in ihre gefährliche Heimat zurückschickt, aus Angst, den Boko Haram-Terror zu importieren. In dieser Situation etwas Ermutigendes zu schreiben, fällt schwer.

Jetzt kann man natürlich sagen: Was sollen wir uns auch noch um Flüchtlinge in Afrika kümmern, wir haben genug mit Flüchtlingen in Europa zu tun! Andererseits sind diejenigen Menschen, die heute Flüchtlinge in Afrika sind, unter Umständen schon morgen auf der Flucht nach Europa. Also wäre eine europäische, eine deutsche Hilfe für Kamerun in der jetzigen Lage keine lupenreine Nächstenliebe, sondern Prävention im Rahmen einer strategisch ausgerichteten Flüchtlingspolitik.

Am allerbesten wäre es freilich, wenn die Fluchtursachen behoben würden. Das bedeutet, wenn man Boko Haram entwaffnete und in Nigeria wieder Frieden einkehrt. Terror und militärische Gegenmaßnahmen haben in den letzten Jahren Zehntausenden das Leben gekostet und Hunderttausenden ein sicheres Zuhause genommen.

Beten wir in ökumenischer Verbundenheit um eine Lösung für die Flüchtlinge und um einen Erfolg der von Lutheranern und Katholiken gleichermaßen vertretenen Aussöhnungspolitik mit den moderaren Muslimen im Norden Kameruns – gegen Extremismus und die Ideologie religiöser Radikalisierung, wie Reverend Goyek Daga schreibt.

(Josef Bordat)

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