Missverständnisse ausräumen. Aber schnell!

19. August 2015


Aus zwei Richtungen erreichen mich derzeit Rückmeldungen zu diesem Text.

Der eine Rückmeldungstypus lautet: „Wie kannst Du / können Sie nur so etwas behaupten: ‚Das Weib schweige‘! Das ist frauenfeindlich! Und außerdem eine Fehldeutung des Korintherbriefs!“

Meine Antwort: Offenbar ist die Ironie, die meinem Beitrag eigentlich innewohnt, nicht deutlich geworden. Ich bin natürlich nicht der Meinung, dass man a) aus Pauli ersten Brief an die Gemeinde in Korinth derart schlichte Schlüsse ziehen solle öder zumindest könne und dass b) Frauen zu schweigen haben. In der Gemeinde. Auf CDU-Veranstaltungen. Oder auf Veranstaltungen, die von Mitgliedern der CDU organisiert werden. Oder der SPD. Egal.

Es geht ja hier um ein Sprechverbot für eine Frau – ausgesprochen aus einer Richtung, die sich gerade nicht auf Paulus bezieht (jedenfalls nicht, dass ich wüsste) und ansonsten eher dafür bekannt ist, gerne mal in die exegetisch falsche, antikatholische Polemik einzustimmen (oder sich gar zu ihrer Wortführerin aufzuschwingen).

Der andere Rückmeldungstypus lautet: „Wie kannst Du / können Sie nur Frau Kelle unterstützen! Das ist homophob! Und außerdem… homophob!“

Meine Antwort: Ich unterstütze – zumindest an dieser Stelle – nicht Frau Kelle oder Frau Kelles Meinung, sondern Frau Kelles Recht, ihre Meinung zu äußern. Das ist – zumindest für mich – ein Unterschied.

Es scheint, dass es nicht wenige Menschen gibt, die meinen, dass die mit einem Anderen geteilte Meinung Vorausetzung dafür sei, sich für die Meinungsfreiheit des Anderen einzusetzen. Freiheit billigen diese Menschen nicht auch dem Andersdenkenden zu, sondern nur dem, der mit ihnen bzw. ihrer Meinung übereinstimmt. Das ist ein gefährlicher Verlust an demokratischer Kultur. Meine Meinung.

So, Frieden?

Nicht?

Auch gut.

(Josef Bordat)

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