Gottvertrauen

20. August 2015


Glauben heißt Vertrauen. Vertrauen auf Gott. Gottvertrauen bedeutet nicht, den Verstand auszuschalten, sondern ihn zu benutzen, im Vertrauen darauf, dass Gott uns auch den Verstand geschenkt hat. Es gibt keinen Widerspruch zwischen Leiderfahrung und Gottvertrauen, denn das Vertrauen richtet sich darauf, dass Gott uns im Leid bewahrt – nicht vor Leid.

Es gibt keinen Widerspruch zwischen unserer Eigenart als Menschen, über das Leben nachzudenken, und dem Vertrauen darauf, dass das Leben letztlich gut sein wird, in der Vollendung bei Gott. Gottvertrauen ist kein blindes, sondern ein bedingungsloses Vertrauen. Es braucht keine Bedingungen, wenn man ebenfalls vorbehaltlos geliebt wird. Das wiederum ist nicht blind, sondern macht sehend.

Nicht alles ist Wille Gottes – es ist nur Gottes Willen, dass alles sein darf, deshalb lässt Er es zu, gibt der Schöpfung Freiheit. Doch nicht alles kommt von Gott. Darum ist auch blindes Vertrauen nicht das, was Gott von uns will. Wir sollen sehen und unterscheiden. Auch zwischen dem, was Gottes und dem was unser ist. Sich unter Hinweis auf Gottes Schutz fahrlässig zu verhalten, ist kein Gottvertrauen, sondern Fahrlässigkeit.

Grundsätzlich schließt der Glaube damit das Vertrauen darauf ein, dass Gott dem Menschen zeigt, was zum Gottgewollten gehört und was nicht – wo das Vertrauen in ein Sich Fallenlassen münden darf und, wo es lediglich darum geht, auf die gottgegebenen Kräfte zu vertrauen, die es braucht, für aktive Veränderung, für ein Aufstehen.

Ein bekanntes Gebet bringt das sehr schön zum Audruck:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,

den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,

und die Weisheit,
das eine vom anderen
zu unterscheiden.

Gelassenheit, Mut und Weisheit. Vertrauen wir darauf, dass Gott uns das eine ums andere zur rechten Zeit schenkt.

(Josef Bordat)

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