Zahlen zum Religions- und Weltanschauungsunterricht in Berlin

1. September 2015


Rund die Hälfte aller Schüler an allgemeinbildenen Schulen besucht (freiwillig und außerhalb der regulären Schulzeit) den Religions- und Weltanschauungsunterricht; im vergangenen Schuljahr waren dies insgesamt 165.731 Schüler (von 334.053 Schülern insgesamt). 78.771 Schüler belegten evangelische Religionskunde (rund 48 Prozent), 24.176 katholische Religionskunde (knapp 15 Prozent) und 56.380 humanistische Lebenskunde (ca. 34 Prozent). Die restlichen 3 Prozent verteilen sich auf den Islamunterricht sowie den jüdischen und buddhistischen Religionsunterricht.

Gemessen an den Anteilen in der Bevölkerung Berlins ergibt sich folgendes Bild: Zur evangelischen Religionskunde gehen mir etwa 24 Prozent der Berliner Schüler prozentual mehr als der Anteil evangelischer Christen an der Bevölkerung Berlins erwarten ließe (19 Prozent). Bei den Katholiken ist das Gegenteil der Fall: Dort besuchen mit nur etwas mehr als 7 Prozent weniger junge Gläubige den Religionsunterricht als bei einem hauptstadtweiten Katholikenanteil von rund 10 Prozent anzunehmen wäre. Hier gibt es also noch Mobilisierungsbedarf. Ein spezieller Ausbildungsgang zur Lehrkraft für katholische Religionskunde, wie er von der Katholischen Hochschule angeboten wird, ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere besteht in der Werbung für „Reli“ in den Gemeinden.

Noch deutlicher unterproportional spiegelt der Besuch von Lebenskunde und Islamunterricht die Bevölkerungssituation wider: Der humanistische Lebenskundeunterricht wird von rund 17 Prozent aller Berliner Schüler aufgesucht – bei einem Bevölkerungsanteil der „Nichtreligiösen“ von etwa 60 Prozent, deren kollektive Vertretung seitens humanistischer Verbände sonst gerne und selbstverständlich in Anspruch genommen wird, ist das ein eher ernüchterndes Ergebnis. Mindestens ebenso ernüchternd wie die Schlussfolgerung, dass sich unter der Hälfte, die dem Religions- und Weltanschauungsunterricht fern bleibt, überwiegend „Nichtreligiöse“ befinden. Beides zeigt: Die Gleichsetzung von „nichtreligiös“ und „humanistisch“ ist voreilig.

Wenig Zuspruch erhält auch der Islamunterricht: In einer Stadt mit mehr als 8 Prozent Muslimen besuchen diesen nur knapp 3 Prozent der Schüler. Hier ist Nachholbedarf unverkennbar. Kann sich der Islamunterricht in den Schulen nicht durchsetzen, bleibt es bei der Alternative: der Unterweisung in Hinterhofmoscheen, bei der sich schon strukturell die Parallelgesellschaft abzeichnet. Hier ist die Islamische Föderation gefragt, für ihr Lehrangebot zu werben.

(Josef Bordat)

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