Glaube, Sitte, Heimat. Schützenfest in Straelen

23. September 2015


Das Schützenfest in Straelen war wirklich ein Erlebnis. Es war das erste Mal seit über zehn Jahren, dass ich mal wieder daran teilnehmen konnte.

Schützenfeste finden bei Wind und Wetter statt

Willkommen – zum Schützenfest in Straelen. Foto: JoBo, 9-2015.

Doch wie sehen die Straelener Schützen ihre Grundwerte: Glaube, Sitte, Heimat? Auskunft gibt die Satzung der Straelener St. Johannes-Schützenbruderschaft von 1588. Gleich zu Beginn werden unter „Wesen und Aufgabe“ (§ 2) die Grundwerte erläutert.

Die Versorgung mit flüssigen Werten ist wichtig. Entscheidend aber sind die Grundwerte: Glaube, Sitte, Heimat. Foto: JoBo, 9-2015.

Die Versorgung mit flüssigen Werten ist wichtig. Entscheidend aber sind die Grundwerte: Glaube, Sitte, Heimat. Foto: JoBo, 9-2015.

Der Glaube zeigt sich für die Mitglieder der St. Johannes-Bruderschaft in einer „aktive[n] religiöse[n] Lebensführung“, im „Ausgleich sozialer und konfessioneller Spannungen im Geiste echter Brüderlichkeit“ und in „Werke[n] christlicher Nächstenliebe“. Was unter einer „religösen Lebensführung“ zu subsumieren ist, bleibt formal unklar, erschließt sich jedoch aus der Zugehörigkeit der Bruderschaft zur Kirche: Gemeint ist eine christlich-katholische Lebensform, also die Teilnahme an Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen, der Empfang der Sakramente, die Orientierung am Katechismus und an den ethischen Normen der katholischen Moraltheologie, das persönliche Gebet sowie die Weitergabe des Glaubens. Dies geschieht mit einer recht progressiv anmutenden Orientierung am ökumenischen Gedanken und über Klassengrenzen hinweg – für die immer noch recht homogene Struktur einer niederrheinischen Kleinstadt sind das erstaunliche Akzentuierungen.

Ganz gesittet: Parade der Schützen. Foto: JoBo, 9-2015.

Ganz gesittet: Parade der Schützen. Foto: JoBo, 9-2015.

Interessant der zweite Grundsatz, der nicht allein mit Sitte überschrieben ist, sondern mit „Schutz der Sitte“, also in dem Bewusstsein formuliert wurde, dass der zweite Grundsatz nicht nur schützenswert, sondern offensichtlich einer Gefährdung ausgesetzt ist und deshalb geschützt werden muss. Dies geschieht durch „Eintreten für christliche Sitte und Kultur im privaten und öffentlichen Leben, [die] Gestaltung echter brüderlicher Geselligkeit und [die] Erziehung zu körperlicher und charakterlicher Selbstbeherrschung durch den Schießsport“. Der ethische Wert der Sitte im Geiste der Sittlichkeit orientiert sich also an einer christlichen Moralvorstellung, die in der Tat „im privaten und öffentlichen Leben“ massiver Gefährdung ausgesetzt ist.

In der Einleitung zum dritten Aspekt Heimat ist von „Liebe zur Heimat“ die Rede. Heimatliebe zeigt sich dabei im „Dienst für das Gemeinwohl aus verantwortungsbewusstem Bürgersinn, in tätige[r] Nachbarschaftshilfe“ und in der „Pflege der geschichtlichen Überlieferung und des althergebrachten Brauchtums, vor allem des Schießsports, Fahnenschwenken und Ausrichtung des Schützenfestes zur Herbstkirmes in Straelen im Rahmen des Turnus im Stadtbund Straelen“.

Fahnenschwenken

Fahnenschwenken als traditioneller Programmpunkt des Schützenfests in Straelen. Foto: JoBo, 9-2015.

Sehr konkret werden Aktivitäten aufgelistet, mit denen dann doch eher Traditionspflege betrieben wird. Jenseits dieser Heimatverbundenheit geht die „Liebe zur Heimat“ soweit, auch dem Fremden eine neue Heimat in der eigenen Heimat schaffen zu wollen.

Glaube, Sitte, Heimat. Der Hofstatt des diesjährigen Schützenfests in Straelen. Foto: JoBo, 9-2015.

Glaube, Sitte, Heimat. Der Hofstaat des diesjährigen Schützenfests in Straelen. Foto: JoBo, 9-2015.

Das ist entscheidend, denn aus dem Glauben folgt die Sittlichkeit der Nächstenliebe und eine wohlverstandene Heimatliebe, die nicht zur Engstirnigkeit wird, sondern offen bleibt für Neues und Neue.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: