Papst Franziskus und die Katholische Soziallehre

23. September 2015


Papst Franziskus hat sich zum Auftakt seines USA-Besuchs dagegen verwahrt, wegen seiner Wirtschaftskritik als „Linker“ etikettiert zu werden. Möglicherweise erweckten einige seiner Äußerungen „einen etwas linken Eindruck“, räumte der Heilige Vater auf dem Flug von Havanna nach Washington vor mitreisenden Journalisten ein. Er warnte jedoch vor einer „irrigen Deutung“, denn: „Was das Kommunist- oder Nicht-Kommunistsein betrifft: Ich bin sicher, nie etwas gesagt zu haben, was über die Soziallehre der Kirche hinausginge“. Ausdrücklich wies Papst Franziskus den Vorwurf zurück, mit dem kommunistischen System in Kuba weniger hart ins Gericht zu gehen als mit dem Kapitalismus in den USA: „In meinen Reden in Kuba habe ich immer auf die Soziallehre der Kirche verwiesen.“ Und das bedeutet in der Tat Kritik am Kommunismus. Aber auch an einem rücksichtslosen Kapitalismus, wie er aus dem Geist des Wirtschaftsliberalismus entstehen kann.

Die Katholische Soziallehre richtet sich gegen Liberalismus und Kommunismus. Denn beide Ideologien widersprechen dem christlichen Menschenbild, in dem Freiheit, Würde und Verantwortung zusammen kommen. Im Liberalismus droht die unternehmerische Freiheit zu Lasten der sozialen Gerechtigkeit und damit der Würde des Arbeiters zu gehen. Hier appelliert die Kirche an die Verantwortung des Unternehmers und kritisiert seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Politik für eine fehlende oder unzureichende Sozialgesetzgebung. Im Kommunismus ist die wirtschaftliche Freiheit eingeschränkt und der Markt durch eine staatliche geplante Angebotspolitik ersetzt, um ein Höchstmaß an Gleichheit (als Ausdruck sozialer Gerechtigkeit verstanden) zu erreichen. Dies kritisiert die Kirche als Mangel an Freiheit und Verantwortung – zu Lasten der Würde aller. Am besten verwirklicht ist die Katholische Soziallehre in der Sozialen Marktwirtschaft, weil in dieser Organisationsform der Ausgleich von Freiheit und Verantwortung am besten gelingt – und damit die Voraussetzung gegeben ist für die Achtung und den Schutz der Menschenwürde.

(Josef Bordat)

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