Religionsfreiheit, du alte Plage!

23. September 2015


Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht. Doch nicht nur das: Es ist auch ein zentrales, herausragendes, elementares und – bezogen auf die Genese der Menschenrechtsidee – ursprüngliches Menschenrecht. Die Freiheiten in Politik, Wissenschaft, Medien und Kunst, das macht ein Blick in die Entwicklungsgeschichte der Menschenrechtsidee deutlich, gründen auf der Religionsfreiheit. Das Ringen um Freiheit war und ist zunächst das Ringen um Religionsfreiheit.

Dies lässt sich historisch zurückverfolgen bis zum Exodus des jüdischen Volkes, in der sich die erste kollektive Freiheitsbewegung der Geschichte manifestiert. Der Staatsrechtler Georg Jellinek sieht in der Religionsfreiheit „das Ursprungsrecht der verfassungsmäßig gewährten Grundrechte“. Und der in Religionsfragen eher unverdächtige Marxist Ernst Bloch sagte: „Die Bedeutung der Glaubensfreiheit kann daran gemessen werden, dass in ihr der erste Keim zur Erklärung der übrigen Menschenrechte enthalten ist“.

Das zur Geschichte, nun zur Gegenwart. Religionsfreiheit garantiert heute nicht nur das Recht, seine religiösen Gedanken und Gefühle zwar haben zu dürfen, sie aber bei sich behalten zu müssen, sondern zudem die Möglichkeit, sie auch öffentlich zu äußern.

Religion ist „Gelaber“, Religionsfreiheit „Plage“? - Eröffnung einer Diskussion über den Kuba-Besuch Papst Franziskus' auf Spiegel-Online.

Religion ist „Gelaber“, Religionsfreiheit „Plage“? – Eröffnung einer Diskussion über den Kuba-Besuch Papst Franziskus‘ auf Spiegel-Online.

Wer das anders sieht, sollte sich vor Augen führen, wohin eine solche Deutung bei der Meinungsfreiheit führte. Was wäre diese wert, wenn man sie nicht als Meinungsäußerungsfreiheit verstünde?

Das würde ja heißen: Die Gedanken sind frei. Nur die Gedanken. Der Mund muss leider geschlossen bleiben. Das aber ist nicht Ausdruck einer Demokratie, sondern einer Diktatur, die sich – soviel ist sicher – auch der Gedanken bemächtigt, wenn die technische Möglichkeit dafür gegeben ist.

Religionsfreiheit ist ein „Problem“? - Aus einer Diskussion auf Tagesschau.de.

Religionsfreiheit ist ein „Problem“? – Aus einer Diskussion auf Tagesschau.de.

Also: Wer sagt, Religion sei Privatsache, will die Religionsfreiheit abschaffen – voilà. Die sorgt ja – in der „momentanen Form“ ohnehin nur für Probleme. Und die haben wir – privat wie öffentlich – mehr als genug.

(Josef Bordat)

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