Blochin

28. September 2015


Gut, ich bin nicht repräsentativ, wenn es um die Bestimmung des Begriffs „gelungene Fernsehunterhaltung“ geht, aber eins weiß ich: die Zahl der Handlungsstränge vergrößert die Qualität eines Films nur dann, wenn sie unter sieben bleibt. Wenn es dreiundzwanzig sind und diese dann nur lose geklammert werden durch Jürgen Vogel in Großaufnahme, das  Dokumentieren von Geschlechtsverkehr und Polizeibeamte, die Kurzwörter für Geschlechtsverkehr in Mobiltelefone schreien, dann ist das zu wenig. Also, für „gelungene Fernsehunterhaltung“.

Für die sorgen allenfalls die Namen der Charaktere. In dieser Beziehung kann es die Mini-Serie problemlos mit dem Herrn der Ringe aufnehmen. Ansonsten ist das alles am Ende doch sehr unbefriedigend. Schlag auf Schlag werden wechsel- und kreuzweise Abhängigkeiten aufgebaut, so dass am Ende jeder gegen jeden etwas in der Hand hat. Ob man aber 3,7 Tote pro Zeitstunde braucht, damit das Ganze spannend wird, muss ebenso in Frage gestellt werden wie der Umstand, ob es wirklich nötig war, eine Komplexität zu konstruieren, aus der selbst der Drehbuchautor keinen Ausweg zu wissen schien.

Ich habe jedenfalls tapfer bis zum Schluss auf eine plausible Erklärung für den Handlungsverlauf in der Vergangenheit des Protagonisten gehofft. Pustekuchen. Es drängt sich mir ein Verdacht auf, ein grausamer: Es geht gar nicht um die Geschichte, sondern um die Effekte. Wie im richtigen Leben. Fuck.

(Josef Bordat)

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