Skandal um Kieler Priester

1. Oktober 2015


Zu dem Skandal um einen Kieler Priester (King Bear berichtet) veröffentliche ich einen Gastbeitrag von Eike Trede. Frau Trede kennt den Priester persönlich und nimmt ihn engagiert gegen die Vorhaltungen in Schutz, die in den Kieler Nachrichten von der verantwortlichen Redakteurin Kristiane Backheuer erhoben werden. Frau Trede tut dies in Form eines Leserbriefs an die Zeitung, den sie zugleich in Form eines Offenen Briefs an die interessierte Öffentlichkeit richtet, mit der Bitte um Verbreitung. Dieser Bitte komme ich hiermit nach.

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Sehr geehrte Frau Backheuer,

eben habe ich Ihren Artikel und Ihren Kommentar gelesen über jenen Pfarrer und ich bin so wütend und betroffen, dass nicht anders kann als Ihnen zu schreiben. Ich möchte gern darlegen, was mich so fassungslos macht und bitte Sie herzlich, diese Mail als Leserbrief abzudrucken, um Ihren Lesern ein ausgewogenes Bild der Situation zu vermitteln.

Erstens finde ich es unangemessen, sogar unprofessionell, dass Sie sowohl den Artikel als auch den Kommentar zu dem Thema geschrieben haben. Es wäre fair gewesen, eine andere Meinung, eine andere Perspektive im Kommentar zu Wort kommen zu lassen.

Zweitens entbehren Ihre Texte jeder Sachkenntnis. Ich hatte es immer für eine journalistische Grundregel gehalten, sich über den Gegenstand eines Artikels umfassend zu informieren. Das haben Sie nicht getan. Dass die Eucharistie nicht Mittel, sondern letzter Zweck der Einheit der Kirchen ist, ist wohlbegründete katholische Lehre und hat nichts mit Ausgrenzung zu tun. Ich bin Gemeindemitglied in der betreffenden Gemeinde und kann bestätigen, dass dem Pfarrer die Ökumene sehr am Herzen liegt. Klar zu sagen, was die Kirchen unterscheidet, ist kein Hindernis der Ökumene, sondern der einzig mögliche Weg zu ihr hin. Sie dürfen, nach gewissenhafter Recherche versteht sich, natürlich anderer Meinung sein. Einen Pfarrer aber anzuprangern, weil er ehrlich und liebevoll die kirchliche Lehre verkündet, ist einfach niederträchtig und zeugt von erschütternder Unkenntnis. Um sich über die Bedeutung der Eucharistie zu äußern, sollte man verstehen, was die Eucharistie ist. Ich gebe jedenfalls keine Urteile ab über Glaubensinhalte fremder Religionen (und der Katholizismus ist Ihnen offenbar fremd), ohne mir Hintergrundwissen anzueignen.

Ich habe die meisten der beanstandeten Predigten gehört und war und bin dem Pfarrer dankbar für seine klaren Worte. Er hat niemals abwertend über evangelische Christen gesprochen oder sie „ausgeladen“. Er hat bestimmt und herzlich die evangelischen Christen eingeladen, sich segnen zu lassen. Auch zum Thema Solidarität mit Fremden, auch mit Flüchtlingen, äußert er sich unmissverständlich und im christlichen Geist. Merkwürdig, dass Sie nur Gemeindemitglieder befragt haben, die Ihrer eigenen Meinung sind. Vielleicht sind Sie an einer umfassenden Perspektive gar nicht interessiert? Ist es nicht eine Frage der Professionalität, verschiedenen Meinungen Raum zu geben?

Was hat die nationale Vielfalt der Kirchenbesucher mit der Lehre von der Eucharistie zu tun? Wie kommen Sie darauf, dass der Papst die katholische Lehre aufhebt? Haben Sie vielleicht nur Zeitungskommentare anderer Kollegen gelesen, die der gleichen Meinung sind wie Sie?

Falls jener Pfarrer tatsächlich Pegida-nahe Inhalte vertritt finde ich das schade und auch nicht richtig. Es würde mich sehr überraschen, wenn er ausländerfeindliche Meinungen verbreitet. Er hat das in seinen Predigten nie getan, ganz im Gegenteil. Ich möchte bei aller gebotenen Abgrenzung aber auch hier zu bedenken geben: Darf ein Pfarrer nicht auch andere Meinungen haben als andere? Als Sie? Als ich? Wer entscheidet das? Sie?

Sind Sie sich darüber im Klaren, dass ein solcher Artikel den Mann ernsthaft schädigen kann? Haben Sie ein gutes Gewissen?

Zu meiner Person: Ich bin 33 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern, Akademikerin und stehe weder Pegida noch der AfD nahe, noch den Piusbrüdern, noch lese ich die Junge Freiheit. Manchmal ist es ganz hilfreich, sich außerhalb von Klischees zu bewegen.

Eike Trede

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Ich danke Frau Trede für die Überlassung des Textes. Zur Sache möchte ich mich in Unkenntnis der genauen Umständen nicht äußern.

(Josef Bordat)

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