Das Messie-Syndrom

10. Oktober 2015


Bei den Stars des FC Barcelona herrscht Unordnung in den Finanzen

Dass im Fußball sehr viel Geld im Spiel ist, dürfte allgemein bekannt sein. Auch, dass diese Summen Menschen dazu bewegen können, nicht immer auf dem Weg der Legalität zu wandeln. Die FIFA leidet unter Korruptionsvorwürfen, schillernde Persönlichkeiten wie Uli Hoeneß haben ihre fußballerisch oder anders erspielte Prosperität nicht sozial angemessen teilen wollen. Steuerhinterziehung ist so etwas wie die Dritte Halbzeit für Funktionäre.

Nun sind neue Fälle bekannt geworden. Dabei geht es diesmal nicht um den Manager des FCB, sondern um den Superstar des FCB – in Spanien ist das der FC Barcelona. Der Superstar heißt Lionel Messi, für viele Fans der seit Jahren beste Fußballer der Welt. Nun muss er wegen Verdachts auf Steuerbetrug vor Gericht. Auch der Vater und Manager des Argentiniers, Jorge Horacio Messi, wird angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2007 bis 2009 über 4 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben, indem sie Werberechte an Scheinfirmen abtraten. Lionel Messi – auf dem Fußballfeld gibt es Niemanden, der ihn stoppen kann. Doch es zählt eben nicht nur auf’m Platz. Dem Argentinier droht eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren – auch, wenn er beteuert, von den Machenschaften nichts gewusst und seinem Vater blind vertraut zu haben.

Aber auch andere Leistungsträger des FC Barcelona sind ins Fadenkreuz des Fiskus geraten: Mascherano und Neymar. Der argentinische Nationalspieler Javier Mascherano muss sich bei einer richterlichen Anhörung am 29. Oktober verantworten. Mascherano wird zur Last gelegt, Einnahmen in Höhe von 1,5 Millionen Euro aus dem Verkauf von Bildrechten in den Jahren 2011 und 2012 nicht versteuert zu haben. Der Abwehrspieler ging bereits in die Defensive und beglich seine Steuerschuld nebst 200.000 Euro Reueprämie. Das könnte ihm im Falle eines Schuldspruchs positiv angerechnet werden.

Neymar droht gleich doppelt Ärger: Zum einen soll er von 2011 bis 2013 in seiner Heimat Brasilien Steuern in Höhe von 13,5 Millionen Euro hinterzogen haben. Die brasilianische Justiz blockierte deshalb auf Antrag der nationalen Finanzbehörde bereits rund 43 Millionen Euro an Vermögen von Neymar, seiner Familie und mit diesen verbundenen Firmen. Zum anderen hat sich der brasilianische Investitionsfonds DIS gemeldet, der nach eigenen Angaben Anteile in Höhe von 40 Prozent an Neymar hielt (ja, so etwas gibt es), bevor dieser zum FC Barcelona wechselte. Der DIS wirft dem Vater des Profis, dem FC Barcelona, den Ex-Klubchefs Sandro Rosell und Josep Maria Bartomeu sowie auch Neymars ehemaligem Verein FC Santos Betrug und Korruption vor und verlangt seinen Anteil an der Ablösesumme, also 40 Millionen Euro. Der Nationale Gerichtshof Spaniens hatte schon im Juni eine entsprechende Klage angenommen.

Messi, Mascherano, Neymar – es fällt schwer, an Zufall zu glauben. An eine Überforderung durch die komplizierten Gesetze Spaniens erst recht. Wer ehrlich sein will, findet einen Weg. Dass dieser nun über den Gerichtssaal oder gar das Gefängnis führt, haben sich die drei Barça-Stars selbst zuzuschreiben. Wie schon Uli Hoeneß.

(Josef Bordat)

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