Ernüchterndes. Und Ermutigendes

13. Oktober 2015


Ein Teil der Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten, die in diesen Wochen zu uns nach Deutschland kommen, sind Christen, die in ihrer Heimat als Christen verfolgt wurden. Es ist ernüchternd für die Opfer der Christenverfolgung, wenn sie hier bei uns in Deutschland, einem christlichen Land, wie sie oft meinen, weiterhin drangsaliert werden – und zwar von Flüchtlingen muslimischen Glaubens. Die Debatte um eine räumliche Trennung der Flüchtlinge nach Religionen zur Konfliktprävention in den Heimen ist zwar beschämend, aber offenbar nötig.

Zugleich muss man feststellen, dass über Migration nicht nur eine Islamisierung stattfindet, sondern auch eine Rechristianisierung. Deutlich wird das an der Katholikenzahl in Berlin, die in den letzten vier Jahren um etwa 3 Prozent stieg, während sie deutschlandweit um rund 3 Prozent sank. Dieser gegenläufige Trend hat auch etwas mit den Flüchtlingen zu tun. Das heißt, es findet durch Migration eine Revitalisierung religiöser Formen in der Gesellschaft statt. Religion bekommt wieder mehr Bedeutung im Alltag; das schließt leider Konflikte mit ein, auch gewaltsame. Es wäre fatal, davor die Augen zu verschließen, nur um nicht erkennen zu müssen, wer mehrheitlich Täter und wer fast immer Opfer religiös motivierter Gewalt ist.

Gleichzeitig sollten wir uns vor Pauschalverurteilungen des Islam hüten. Denn es geht auch anders. Es gibt dann und wann sehr ermutigende Nachrichten. Wie diese aus Ägypten. Südlich der Hauptstadt Kairo soll eine koptische Kirche gebaut werden, die 21 ägyptischen jungen Männern geweiht wird, nämlich jenen 21 Gastarbeitern, die im Februar diesen Jahres in Libyen von der Terrororganisation Islamischer Staat enthauptet worden sind. Der Bau der Märtyrerkirche soll umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro kosten. Die koptischen Christen bekommen mit dem Gotteshaus eine Gebets- und Gedenkstätte für die Opfer der Christenverfolgung, unter der sie auch in ihrer Heimat seit Jahrhunderten leiden – mal weniger und mal mehr. Zur Zeit offenbar wieder etwas weniger.

(Josef Bordat)

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