Vertrag ist Vertrag!

14. Oktober 2015


Wir haben die Ware. Wir haben bezahlt. Wir wollen jetzt gehn.

Die Volladoption und die Leihmutterschaft sind Formen, sich den gewünschten „Nachwuchs“ auch als homosexuelles Paar zu „organisieren“. Gerade die Leihmutterschaft ist ein gewaltiges ethisches Problem. Sie ist in einigen Ländern bereits erlaubt und könnte zu einer völlig neuen Art von Sklaverei führen: die Körper von Frauen aus armen Ländern zu „mieten“, damit diese Kinder für Menschen aus reichen Ländern austragen (keine Versuchung für homosexuelle Paare allein, sondern für alle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch!). In Deutschland ist die Leihmutterschaft zwar (noch) verboten, aber der Druck wird steigen, freiwillige, „altruistische“ Leihmutterschaften zuzulassen. Alles andere wäre wohl eine „Diskriminierung“ der schwulen Paare gegenüber den lesbischen Paaren in Sachen „Recht auf Kinder“.

Es gibt keine Langzeituntersuchungen, die zweifelsfrei zeigen, dass und wieweit es das Kindeswohl beeinträchtigt, keine Mutter oder keinen Vater bei sich zu haben, doch uns sagt die Intuition, dass es gut ist, Mutter und Vater 1. zu kennen und 2. mit ihnen zu leben. Fest steht weiterhin: Nicht zu wissen, von wem man abstammt, verletzt die Menschenwürde. Dass dies in der Debatte kaum eine Rolle spielt, wundert mich. Ebenso, dass die Rolle des notwendigen „Dritten“ ganz aus der Betrachtung fällt, obgleich wir wissen, dass – um auf die Leihmutterschaft zurückzukommen – während der Schwangerschaft eine starke emotionale Bindung zwischen Frau („Mutter“ kann man ja in diesem Fall nicht sagen) und Kind entsteht, so dass eine als „Leihe“ gedachte Schwangerschaft ebenfalls eine Verletzung der Menschenwürde darstellt, eine Verletzung der Würde der Frau.

Ein aktueller Fall in Thailand zeigt die ganze Brisanz des entwürdigenden Konzepts einer Leihmutterschaft: die Frau, die das Kind geboren hat, will es nicht vereinbarungsgemäß dem schwulen Paar überlassen, das sie dafür vereinbarungsgemäß entlohnt hat. Dabei war doch alles sauber geregelt, wie die FAZ erklärt: „Als die Beteiligten das Geschäft zur Leihmutterschaft über eine Agentur einfädelten, schien für die Väter noch alles in Ordnung. Die Rechtslage in Thailand war jahrelang schwammig – das eröffnete Möglichkeiten.“ Möglichkeiten. Steht da. Und weiter: „Dutzende Agenturen lotsten Tausende Eltern aus aller Welt durch die Vorschriften, und die Vermittlung von Leihmüttern an Wunscheltern war ein lukratives Geschäft.“ Und jetzt plötzlich das!

Während im Fall des Baby Gammy die Welt noch empört reagierte, weil die Kunden das behinderte Exemplar der Zwillinge nicht abnehmen wollten (Produktionsfehler ist Produktionsfehler!), steht die Welt nun auf Seiten der Männer, die heroisch um Baby Carmen kämpfen. Rein privatrechtlich sind sie auf der sicheren Seite: Pacta sunt servanda. Dass in Thailand Leihmuttergeschäfte mit Ausländern (auch interessant!) mittlerweile verboten sind, könnte aufgrund der unzulässigen Rückwirkung unerheblich sein. Und schließlich haben sie pünktlich bezahlt, die Leihmutter hat pünktlich geliefert. Also! Dass sie jetzt Rückgabe verlangt, scheint völlig abwegig. Das macht der Produzent doch sonst nur bei gravierenden Fehlern – unter Rückgabe des gezahlten Preises. Davon ist aber nicht die Rede. Und Baby Carmen sieht jetzt auch nicht unbedingt so aus, als sei damit irgendetwas nicht in Ordnung. Defektes Zündschloss. Oder so. Fehlt jetzt nur noch, dass sich die Eizellenspenderin einmischt und ihre 50 Prozent am Umsatz einklagt.

Ja. Ich habe bei solchen Geschichten, in denen unkritisch bis launig erzählt wird, wie Menschen ihr Glück auf dem Rücken Dritter unter Nutzung des zwischen ihnen bestehenden sozialen Gefälles zu machen versuchen und in denen Frauen unter dem Applaus der Hauspostille des deutschen Bildungsbürgertums zu Gebärautomaten degradiert werden, ab einem bestimmten Punkt immer die Neigung, polemisch zu werden. Vor allem, weil es dabei um Kinder geht. Tut mir Leid.

(Josef Bordat)

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