Erfüllung und Heil

17. Oktober 2015


Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. Er antwortete: Was soll ich für euch tun? Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen. Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind. Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. (Markus 10, 17-30)

Jesus formuliert in der Antwort auf die Frage von Jakobus und Johannes eine klare Absage an einen Heilsegoismus, der das Gute nicht um des Guten willen tut, der nicht um der Liebe willen liebt und der nicht um Jesu willen in die Nachfolge tritt. Sondern wegen des eigenen Heils. Das Heil aber ist Ergebnis, nicht Grund des Glaubens und der Nachfolge. Glaube und Nachfolge, das ist eine Frage der Wahrheit und der Erfahrung – nicht des Nutzenkalküls.

Macht soll sich in Dienstbarkeit zeigen, die den anderen komplettiert. Wer viel zu bieten hat, muss daher viel dienen. Der Dienst des Christen als Ausdruck von Glaube und Nachfolge hofft dabei nicht auf Kompensation, sondern auf Erfüllung. Das ist etwas anderes. Es kommt darauf an, einer Gesellschaft davon Zeugnis zu geben, die den christlichen Glauben immer weniger selbstverständlich mit ihren Vollzügen in Einklang zu bringen weiß.

In einer gottfernen und glaubensarmen Umgebung müssen wir glaubwürdig Zeugnis geben vom Wesen des christlichen Glaubens: Der Glaube sucht das Wahre und Gute jenseits des Nützlichen, der Glaube ist Dienst jenseits der Lohnforderung und der Glaube verschafft gerade damit dem Menschen die Erfüllung seines Lebens. Und führt ihn auf den Weg des Heils.

(Josef Bordat)

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