Synodale Kirche

18. Oktober 2015


„Das dritte Jahrtausend braucht eine synodale Kirche“, so fasst katholisch.de in der Überschrift eines Beitrags die Haltung des Papstes zur Zukunft der Katholischen Kirche zusammen. Papst Franziskus hatte sich bei einem Festakt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Bischofssynode im Vatikan geäußert.

Ja, so könnte man dumm fragen, ist sie, die Kirche, denn nicht schon von Beginn an synodal gewesen? Wehte in ihr nicht schon in Jerusalem der von Franziskus beschworene „Geist des Aufeinander-Hörens und des Sich-Bemühens“?

Bereits Mitte der 40er Jahre fand dort ein Bischofstreffen statt – die erste Synode der Kirche, wenn man so will. Auf dem Jerusalemer Apostelkonzil wurde das Verständnis der Urgemeinde Jesu Haltung zum Judentum betreffend intensiv diskutiert, sicherlich so kontrovers wie in diesen Tagen in Rom. Vermutlich noch heftiger.

Denn damals wurde bekanntlich eine sehr pikante Streitfrage zwischen den Judenchristen (vertreten durch Petrus, Jakobus und Johannes) und den Heidenchristen (vertreten durch Paulus und seine Mitarbeiter) geklärt, nämlich die, ob es den direkten Weg der Heiden zur Christengemeinde geben kann (durch die Taufe) oder ob die Heiden zuvor erst Juden werden, sich also z.B. beschneiden lassen müssen. Keine Kleinigkeit, die da verhandelt wurde. Weiß Gott.

Das Konzil entschied sich – auch das dürfte bekannt sein – für die Gleichberechtigung von Juden- und Heidenchristen und bewirkte so die sichtbare Eigenständigkeit des Christentums. Es ebnete damit den Weg für die Völkermission in Europa und legte den Grundstein zur kulturübergreifenden Universalkirche.

Zugleich aber wurde dieser Kirche auf ihrem ersten Konzil ein wesentliches Organisationsprinzip mitgegeben: die synodale, konziliare Suche nach Lösungen bei Streitfragen – miteinander, nicht gegeneinander; auch und vor allem in Einheit mit dem Heiligen Geist. Das Apostelkonzil in Jerusalem verwandte die Formel: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15, 28). Der Heilige Geist und wir – das ist die Kirche.

Wenn es dabei bleibt, ändert sich nichts Wesentliches, auch, wenn sich Strukturen, in denen man die Einheit mit dem Heiligen Geist und miteinander sucht, verändern. Also: Bevor die einen im Jubel ertrinken und die anderen in Sorge ersticken: Ganz so revolutionär, wie es scheint, sind Franziskus‘ Vorschläge nicht.

(Josef Bordat)

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