Zurück in die Zukunft

21. Oktober 2015


Oder was man vor 30 Jahren dafür hielt

Der zweite Teil der Zurück in die Zukunft-Trilogie spielt nicht nur 1955 und 1985 (wie Teil 1), sondern auch in der „richtigen“ Zukunft. Marty (Michael J. Fox) und seine Freundin Jennifer (Elisabeth Shue) reisen mit Doc Brown (Christopher Lloyd) ins Jahr 2015. Das ist aus heutiger Sicht besonders interessant, denn 2015 ist bekanntlich unsere Gegenwart. Die drei landen am 21. Oktober 2015 in Hill Valley. Also: Heute.

Acht so genannte Future Consultants hatte Regisseur Robert Zemeckis angeheuert, die unsere Gegenwart vorausahnen sollten. Welche Vorstellungen vom Heute hatte man damals? Was wurde realisiert, was gar übertroffen?

1. Verkehrstechnik

„Straßen? Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!“, weist Doc Brown bereits am Ende des ersten Teils den ungläubig staunenden Marty zurecht. Autos brauchen – nach den Vorstellungen des Filmteams – im Jahre 2015 keine Straßen mehr: Es wird geflogen. Das ist praktisch, kostensparend und umweltfreundlich. Allein: Soweit sind wir noch nicht. Die jüngste Entwicklung in der Automobiltechnik ist das echte Automobil, das selbstfahrende Fahrzeug. Bis wir das – auf unseren Straßen – zu sehen bekommen, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Bis es durch die Luft fliegt wie der DeLorean, wohl noch länger.

Etwas voreilig auch die Prognose, Tankwarte würden wohl in Zukunft durch Roboter ersetzt. In Wahrheit wurden sie ersetzt, aber nicht durch die Maschine, sondern durch den Kunden. Die Automatisation ist nicht die einzige kostensenkende Maßnahme. Das wissen wir heute. Damals gab es den Traum der vollautomatisierten Fertigung, die nur noch per Schaltzentrale überwacht werden muss. Eine Fehleinschätzung.

2. Kommunikations- und Informationstechnik

Hier hat die reale Entwicklung der letzten 30 Jahre die (damals) kühne Phantasie der Filmemacher in den Schatten gestellt. Marty wird per Bildschirmtelefon gefeuert. Das heute zur Verfügung stehende Internet ist da um einiges komfortabler. Auch der Ausdruck ist ein schlechtes Nadeldruckerartefakt. Dass wir heute Filme und Bilder, Texte und Nachrichten via Internet hin- und herjagen und Schrift wie Bild mit preisgünstigen Laserdruckern sauber aufs Papier bringen, schien damals unvorstellbar.

Auch gibt es im Film verdächtig viele Telefonzellen. Dass im Jahre 2015 praktisch jeder seine eigene Telefonzelle haben würde, lag außerhalb der Vorstellungskraft, auch der von Future Consultants. Sie lassen Marty und Doc Brown mit Funkgeräten kommunizieren. Ganz alte Schule. Dennoch wird die Omnipräsenz von Flachbildschirmen sehr gut prognostiziert. Auch, dass die PCs der 1980er im Jahre 2015 als Antiquitäten gelten werden, wird korrekt vorausgesagt.

3. Haushaltstechnik, Kultur und Lebensstil

Unsere Mikrowellen erinnern ein wenig an den „Hydromaten“, wobei der noch um einiges leistungsstärker präsentiert wird. Einges wurde in den letzten 30 Jahren realisiert, aber vom Markt nicht angenommen. Kühlschränke, die einem den Einkaufszettel diktieren, braucht auch kein Mensch.

Dass das 21. Jahrhundert asiatisch geprägt sein wird, wussten die Future Consultants schon Ende der 1980er Jahre. Damals war diese Einschätzung wohl vor allem der boomenden japanischen Wirtschaft geschuldet, heute ist es eher China, das den Ton angibt. Jedenfalls wird Marty von einem Asiaten gefeuert. Die Positionen sind vertauscht. Vietnam wirbt zu allem Überfluss mitten in Hill Valley um US-Touristen – ein Jahrzehnt nach dem Ende des Krieges und noch vor dem Mauerfall, aber schon in der Endphase der bipolaren Weltordnung (Zurück in die Zukunft II kam am 22. November 1989 in die Kinos).

Ein Bekleidungsstil, der in Zukunft angeblich als cool oder schick gelten wird, würde heute wohl eher als skurril oder sehr skurril eingeschätzt werden: Hosentaschen nach außen und Doppelkrawatte. Auch auf Kleidung, die sich in Größe und Form individuell an den jeweiligen Träger anpasst, warten wir noch. Selbstschnürende Schuhe gibt es heute ebenfalls noch nicht. Auch hier wird der Automatisierungswahn der 1980er Jahre linear fortgeschrieben und landet im Absurden.

Eigentlich auch nicht schlimm, denn schließlich hatte Robert Zemeckis nicht den Anspruch, eine Dokumentation zu drehen. Deswegen wird die Trilogie heute unbeschwert genossen – in Filmnächten und auf Zurück in die Zukunft-Jubiläumspartys. Einer der Hauptdarsteller, Thomas F. Wilson (Biff), hat unterdessen einen ganz besonderen Grund zum Feiern. Im Jahr 1985 hat er geheiratet. Seit 30 Jahren ist er mit ein und derselben Frau liiert. Das Paar hat vier Kinder. Zusammen. In Hollywood eher die Ausnahme. Das hätte wohl keiner der acht Future Consultants so vorherzusehen gewagt.

(Josef Bordat)

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