Gewissensfrage Suizidbeihilfe

22. Oktober 2015


Die Aussagen Das ist eine Gewissensfrage und Das musst jeder für sich selbst entscheiden sind nicht äquivalent. Die Entscheidung, die man für sich fällt, kann auch eine banale, ja, sogar eine ausdrücklich nicht besonders gewissenhafte sein. Andererseits bedeutet der Umstand, dass eine Frage das Gewissen anspricht, nicht, dass damit alle Antworten, die sich jeder für sich selbst ausdenkt, gleich gültig seien. Das Gewissen braucht Bildung, und die Feststellung, etwas sei eine Gewissensfrage, ist zunächst einmal der Aufruf, sich möglichst genau über den Sachverhalt und die ethische Argumentation zu informieren.

Ich bin daher sehr froh, dass sich Politiker, die demnächst eine Gewissensfrage zu beantworten haben, nämlich die, ob und gegebenenfalls inwieweit die Beihilfe zur Selbsttötung explizit erlaubt und wenn ja, in welcher Weise sie geregelt werden soll (also: wer diese Beihilfe leisten darf), dass sich also diese Politiker – zumindest einige – auch von der Katholischen Kirche beraten lassen wollen. Und ich freue mich, daran mitwirken zu können.

Am 2. November – vier Tage vor der Abstimmung im Deutschen Bundestag – bin ich bei einer Veranstaltung der Berliner CDU zu Gast und darf mich auf dem Podium zum Thema äußern – als Philosoph, als Christ, als Katholik. In erster Linie natürlich als Mensch. Ich hoffe, ich kann dabei die Haltung einer christlich fundierten Lebensschutzethik überzeugend vermitteln, die sich eindeutig gegen jede Form aktivischer Sterbehilfe wendet (und dazu gehört bereits die Beihilfe).

Die Position der Katholischen Kirche in Deutschland ist hingegen weit weniger eindeutig; zuletzt sprach sich das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken dafür aus, allein die geschäftsmäßige Besorgung der Suizidbeihilfe zu verbieten, unterstützende Angehörige jedoch straffrei zu stellen. Auch wenn diese Variante derzeit die aussichtsreichste ist – gemessen am Verlauf der Debatte im Juli –, wäre dies ein halbherziger Kompromiss und zudem mit Blick auf die aktive Sterbehilfe eine äußerst gefährliche Regelung.

Momentan sortiere ich meine Gedanken zu dem Thema und werde sie demnächst hier ausführlich darlegen. Ich lade herzlich ein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, mit Hinweisen auf formale Fehler und inhaltliche Schwächen nicht zu sparen, insbesondere die Argumentation und die Schlüsse kritisch zu prüfen sowie Anmerkungen und Ergänzungen (gerade auch aus der Praxis) anzubringen. Weiterhin lade ich – auch im Namen des Veranstalters – ganz herzlich zu der Podiumsdiskussion ein.

(Josef Bordat)

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