Von der Rolle

26. Oktober 2015


Oder: Wenn eine „andere Gruppe“ tatsächlich „mehr Beachtung“ findet als „die Homosexuellen“.

Die Welt fasst zur Familiensynode zusammen, was zwar nicht zusammengehört, aber was soll’s: „Das Abschlussdokument der Bischofssynode in Rom wurde veröffentlicht. Und wie erwartet spielt der Umgang mit Homosexuellen nur eine untergeordnete Rolle – eine andere Gruppe fand dafür mehr Beachtung“. Steht da. Ich kann’s ja auch nicht ändern. Überschrift: Der Vatikan ignoriert weiter die Homosexuellen.

Das muss man sich mal vorstellen: Da geht es in Rom um die Familie und da spielen „die Homosexuellen“ was genau? „Nur eine untergeordnete Rolle“! Bzw. der „Umgang“ mit „die Homosexuellen“. Völlig unverständlich, wo doch sonst kein Tag vergeht, an dem „die Homosexuellen“ samt Umgang nicht eine übergeordnete Rolle spielen. „Großcousin der Hamminkelner SPD-Schriftwartin kann sich Homo-Ehe vorstellen“ schafft es ja sonst regelmäßig in die Tagesschau.

Und der Vatikan? Der „ignoriert weiter die Homosexuellen“. Ich dachte immer, der diskriminiert sie. So als Hauptgegner halt. Mindestens. Aber nur eins scheint schlimmer als Feindschaft, Hass, Gewalt, Menschenverachtung, Krieg und Terror: Ignoranz. So gar keine Beachtung. Oder: zumindest nicht so viel wie einem üblicherweise zusteht, als „die Homosexuellen“. So einfach „nur eine untergeordnete Rolle“ spielen. Ignoriert werden. Weiter. Das muss weh tun!

„Die Homosexuellen“ ignorieren: Geht das überhaupt? Sie sind doch so bunt. Wie ein Regenbogen. So schrill. So laut. So unfassbar tolerant. So medienwirksam. So alles. So. Das muss doch auffallen! Doch der Vatikan „ignoriert“ sie. Immer weiter. „Die Homosexuellen“.

Aber wirklich bitter ist dann das folgende: „eine andere Gruppe fand dafür mehr Beachtung“. Nicht nur, dass es – neben „die Homosexuellen“ – überhaupt noch andere Gruppen gibt, über die zu reden sich angeblich lohnt – nein: sie finden in mindestens einem Fall auch noch „mehr Beachtung“. Und das nicht mitten im Mittelalter, sondern Ende 2015!

Ich muss das einfach noch mal für die Nachwelt festhalten: In Rom fand irgendwas mit Kirche statt, ist nicht so wichtig. Das Fazit der drei Wochen lautet: „Das Abschlussdokument der Bischofssynode in Rom wurde veröffentlicht. Und wie erwartet spielt der Umgang mit Homosexuellen nur eine untergeordnete Rolle – eine andere Gruppe fand dafür mehr Beachtung“.

(Josef Bordat)

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