Navid Kermanis Fragen

29. Oktober 2015


Gute Literatur spricht für sich und sollte auch von denen kommentarlos genossen werden können, die nichts davon verstehen.

Ich habe gestern im Deutschen Theater auf einer Literarischen Werkschau zu der belletristischen Arbeit des diesjährigen Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, einige Momente erlebt, die mir schmerzlich bewusst gemacht haben, dass es einen Text geradezu physisch verletzen kann, wenn man ihn zu ungestüm auseinanderzunehmen versucht.

Der Literaturkritiker Jens Jessen (Moderator des Abends) hat die von den DT-Ensemblemitgliedern Ulrich Matthes und Timo Weisschnur gelesenen Textproben immer wieder zu sezieren versucht, auf der Spur verborgener Deutungsschlüssel, bestrebt, dem Publikum einen noch tieferen Sinngehalt zu eröffnen. Navid Kermani begegnete den gestelzten Interpretationsversuchen lapidar bis leicht genervt. Er betonte, mit seiner Literatur den Fragen nachgehen zu wollen, die sich ihm aufdrängen, und das seien nun mal metaphysische.

Mir war das Werk Navid Kermanis bislang gänzlich unbekannt. Das hat sich ein wenig geändert, es wird sich weiter ändern. Denn seine Texte berühren mich. Auch, wenn ich nicht erklären kann, warum.

(Josef Bordat)

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