Fragen

2. November 2015


Manche sagen, die Frage nach dem Selbstmord sei doch eine private,
urpersönliche Frage, die den Anderen nichts angehe. Doch die
scheinbar nur den Einzelnen betreffende Entscheidung hat enorme
gesellschaftliche Auswirkungen und Konsequenzen für viele
Menschen an unserer Seite. Wenn ein Mensch handelt, dann hat sein
Denken und Handeln Auswirkungen auf alle Menschen. Teilen wir das
Leben der Menschen dann nicht ein in wertvolles und sinnloses
Leben? Übertragen wir dann auf den sterbenden Menschen nicht die
Kriterien, die unser ganzes Leben unter Druck setzen: Wertvolles
Leben ist unabhängiges Leben, produktives, attraktives und
leistungsstarkes Leben? Werden wir früher oder später die Grenzlinie
zwischen wertem und unwertem Leben nicht immer weiter
verschieben? Wer soll früher oder später die Macht der Menschen
noch begrenzen?

Aber Menschen wollen doch freiwillig sterben, so wird argumentiert.
Haben wir denn keine Angst vor Zuständen wie in den Niederlanden
und in Belgien, wo über 20 Prozent der sogenannten Sterbehilfefälle
vollzogen werden ohne Einwilligung der Betroffenen? Wird zudem
gerade für alte und kranke Menschen nicht der unerträgliche Druck
wachsen, sterben wollen zu müssen, weil mein Elend doch keinem
mehr zuzumuten ist und weil es die Gesellschaft so teuer kommt,
wenn ich noch lebe?

Heiner Koch (in seiner Predigt zu Allerseelen)

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