Martins Spiel

11. November 2015


Zu einem Martinsfest gehört ein Martinsspiel. Martinsspiele der Kommunionkinder kennen wir zur Genüge.

Kind 1 (St. Martin): „Was ist (Pause) denn mit Dir?“

Kind 2 (Bettler): „Mir ist ganz kalt. (Pause) Ich (Pause) friere.“

Kind 1 (St. Martin): „Möchtest Du meinen (Pause) Mantel? Ich (Pause) teile ihn gern mit Dir.“

Kind 2 (Bettler): „Ja.“

Kind 1 (St. Martin): „So, hier, bitte schön. Jetzt muss ich aber weiter. (Pause) Weiter reiten. (Pause) Tschüß.“

Kind 2 (Bettler): „Tschüß.“

Kind 3 (Erzähler): „Der Bettler war jetzt sehr froh, weil er nicht mehr (Pause, Gemeindereferent gibt dem Kind einen Klaps und flüstert „frieren muss“) frieren muss.“

Das kennen wir.

Ich finde, wir brauchen da echte Profis. Und wo finden wir die? Richtig: Beim Fernsehen! Ich hab dann mal beim WDR gefragt, ob die nicht was machen können. Ja, schon, meinten die, aber am 11.11. ist ja auch noch etwas anderes als St. Martin, nämlich der Beginn der Karnevals-Session in Köln mit der Proklamation des designierten Dreigestirns um Punkt 11:11 Uhr. Das hört sich offiziell an, ist es auch. Und der WDR überträgt das ganze Spektakel von morgens bis abends. Trotzdem – und dafür bin ich sehr dankbar – hat man meiner Bitte entsprochen und auch noch das Martinsspiel inszeniert.

Moderatorin: „Hääzlisch willkomme, läv Fründe der Nächstenliebe. Wir komme zum Höhepunkt. Wir haben se hee, für üsch! De Martin, de Bettler und de Jungfau von Orleans. (Applaus abwartend) Nää, is datt schööön!!! Sigg övver sätzisch Joor bin isch hee beim WDR, aber datt han isch no nit erlebt. Övver veezisch dausend Soldate hier ob de Kaserneplatz. (Jubel abwartend, mit der Menge in den Gesang einstimmend) ,Wir haben hier in Rom, / ein Kolosseum, keinen Dom!’ Nä, wat häälisch! (zu Martin) Martin, komm ens hee. Et muss doch enne jroße Drömm für ’ne Kölsche Jong sin, eenmal im Leeve römische Soldat ze sin.“

Martin: „Jo, isch han als kleene Jong davon gedrömmt, römische Soldat ze sin.“

Moderatorin: „Ja, dat glööv isch sofort, lääve Martin! Und et muss doch enne jroße Drömm für ne römische Soldat sinn, eenmal im Leeve St. Martin ze sinn.“

Martin: „Jo, dat is enne jroße Drömm für jede römische Soldat, eenmal im Leeve St. Martin ze sinn.“

Moderatorin: „Häälisch! Nä, isch bin hück övver sätzisch Joor hee beim WDR, aber datt han isch no nit erlebt. Häälisch. – Un, Bettler, isset Dir nit kalt? So janz ohne Jäcksche?

Bettler: „Ja, isch han misch och schon e bissje verküllt. Obwohl: Et iss ja vill ze worm! (verschwörerisch) Dat hätt ävver nix mit de Klimawandel zo donn!“

Moderatorin: (kriegt sich kaum ein vor Begeisterung) „Ha!!! Häälisch! ,Klimawandel’! Nä, wat is datt schön! Und jetz’ schalte mer janz schnell na Tours und da han me – jewissermaßen in Tours op Tour… is dat nit en tollet Wochtspeel…? „in Tours op Tour“, da musste ersma dropp komme! – in Tours op Tour ham wer – de Höhner! Ne, Quatsch – de Jänse! Ha!!! Häälisch!“

Im Gänsestall übernimmt dann das Team vom RBB.

Düpp… didüpp… didüpp… didüpp.

Reviertierpfleger Steffen Matuschinsky: „Jaaaaaaaa, ja-ja-ja-ja-ja! Koooooommt ma her… (in die Kamera) Dit sind unsere neuen Jänse. Sin’ noch en bisschen uffjerecht. (zu den Gänsen) Ja, jetz’ schnattert ma nich so ville… det kann ja so nüscht wahr sein mit dem Krach hier, wa! Ruhe jetze!“

(gelangweilte Stimme aus dem Off) „Aber die Gänse wollen heute nicht (Pause) ruhig sein. Sie machen (Pause) weiterhin ganz (Pause) schön (Pause) viel (Pause) Krach.“

Düpp… didüpp… didüpp… didüpp.

So wird Martin dann doch entdeckt und Bischof von Tours.

Was wir jetzt noch nicht hatten, das ist die Mantelteilung. Sie erinnern sich.

Kind 1 (St. Martin): „Möchtest Du meinen Mantel? Ich teile ihn gerne mit Dir.“

Kind 2 (Bettler): „Ja.“

Kind 1 (St. Martin): „So, hier, bitte schön.“

Dazu habe ich die DEFA, Babelsberg reaktiviert.

Auftritt „Centurio“. Hände hinter dem Rücken, abschätzender Blick.

Centurio: „Stillgestanden! Ich habe gesagt: ,Stillgestanden!’. – In meiner Schriftrolle ,Die Gerechtigkeit des Centurio in der römischen Armee, unter besonderer… (würgt das allgemeine Murmeln unwirsch ab) unter besonderer Berücksichtigung der gallischen Besatzungstruppen’ habe ich festgestellt, dass unsere Armee geprägt sein muss von dem unbedingten Gehorsam des Zivilisten gegenüber dem Militär und der unbedingten Ignoranz des römischen Soldaten gegenüber den Armen und Schwachen.“

Er erblickt in der ersten Reihe einen Bettler in warmem Umhang.

Centurio: (empört) „Wer hat dem Bettler den Umhang gegeben? (Martin steht auf) Martin?“

Martin (gedehnt): „Fragen Sie doch mal den Nikolaus.“

Centurio: „Nikolaus, haben Sie dem Bettler den Umhang gegeben?“

Nikolaus: „Ich???“

Centurio: „Martin, haben Sie gesehen, wie der Nikolaus dem Bettler den Umhang gegeben hat?“

Martin: „Das hab ich ja nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, Sie sollen ihn mal fragen, weil er doch immer so (verächtlich) nächstenlieb ist.“

Centurio: „Martin, setzen Sie sich. Ihnen fehlt die sittliche Reife. Da wollen wir doch mal sehen! (geht zum Bettler, nimmt seinen Umhang) Aha – der Umhang ist aus einem Soldatenmantel gerissen. Treten Sie vor, zeigen Sie mir Ihre sämtlichen Mäntel!“

Der Rest ist Legende.

(Josef Bordat)

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