Top-Blog Jobo72?

2. Dezember 2015


In einer Zeit, in der man von nigerianischen Ex-Präsidenten wöchentlich Summen in Milliardenhöhe angeboten bekommt, ist Skepsis gegenüber allzu wohlklingenden Mitteilungen durchaus angebracht.

Ich erfahre gerade, dass Jobo72’s Weblog zu den „100 wichtigsten Blogs in Deutschland“ zählt. Dies behauptet eine Hamburger PR-Agentur namens „Faktenkontor„, die im Rahmen ihres Leistungsangebots einen „Blogger-Relevanzindex“ ermittelt und dazu im Herbst 1.586 Blogs auf „Relevanz“ hin untersucht haben will, und zwar nach festgelegten Kriterien.

Es kommt mir aber gerade deshalb – also aufgrund der gewählten fünf Kriterien, die jeweils mit 20 Prozent ins Endergebnis eingehen – etwas schleierhaft vor, mit Jobo72 zu den Besten zu gehören.

Dies zunächst, da auf meinem Blog keine Kommentare zugelassen sind, so dass Jobo72’s Weblog in der Wertungskategorie „Interaktionsintensität“ schon mal null Punkte erhält. Allein das sollte mich aus dem Rennen werfen, denn so spiele ich überhaupt nur in vier der fünf Quintile mit.

Desweiteren verfüge ich zwar über ein zuverlässiges und sympathisches Netzwerk von theologie-, philosophie- und fußballinteressierten Menschen, das aber gegenüber den Millionen Fans von Blogs zu wirklich relevanten Themen wie Permanent-Make up, Aktfotos, David Beckham und Aktfotos von David Beckham zahlenmäßig eher klein ist. In Sachen „Social-Media-Vernetzung“ liege ich also auch eher im Mittelfeld. Wenn’s hochkommt.

Das sollte sich entsprechend negativ auf die dritte Wertungskategorie („Anzahl der Links, die auf den Blog verweisen“) auswirken, heißt: Großes Netzwerk, viele Links – kleines Netzwerk, wenig Links. Dachte ich jedenfalls immer.

Die „Aktivität des Blogs“ als weitere Wertungskategorie scheint für mich bzw. für Jobo72 zu sprechen, gibt es hier doch mittlerweile über 6.500 Beiträge. Das ist sicher nicht wenig. Doch auf den zweiten Blick wird klar, dass es zahlreiche Blogs gibt, die a) wesentlich länger online sind und b) täglich mehrere kurze Beiträge zeigen, wo ich nur einen längeren anbiete. Auch in dieser Kategorie dürfte Jobo72’s Weblog also nicht zur Spitze zählen. Zumindest quantitativ nicht. Ob meine Texte qualitativ gegen „10 Tipps, wie Lidschatten nicht verschmiert“ anstinken kann, wurde ja offenbar nicht untersucht.

Die verbliebene Wertungskategorie („Sichtbarkeit im Internet anhand des Sistrix-Indexes“) kann ich nicht einschätzen, wüsste aber auch nicht, weshalb Jobo72’s Weblog eher sichtbar sein sollte als ein Blog über Tranfergerüchte in der Volleyball-Bundesliga. Oder über Aktfotographie.

Also, bevor ich die Plakette stolz auf die Seite hefte, muss ich erstmal eine Nacht darüber schlafen, ob hier nicht wieder mal jemand mein Ego pflegt, damit ich mich irgendwo einbringe, wo ganz am Ende Mobilfunkverträge verkauft werden.

Das Leben ist halt nicht einfacher geworden. Auch nicht für Ex-Präsidenten aus Nigeria. Oder David Beckham.

(Josef Bordat)

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