Mundtot

17. Dezember 2015


Am Sonntag wählt Spanien.

Ich darf mich ja nun nicht mehr öffentlich äußern, wenn ich nicht abgeknallt, vergast, verbrannt und/oder erstochen werden und auch nicht am Galgen enden will („bey Strafe des Stranges“*), wenn ich verhindern mag, dass man mir den Dummschädel eintritt respektive in der U-Bahn von hinten die Kehle durchschneidet, wenn ich es halt vorziehe noch ein wenig unter der Gnade anonymer E-Mail-Verfasser weiterzuleben und nicht gewaltsam zu Tode zu kommen. Dann, ja, dann sollte ich schweigen. Meine Fresse halten. Das Lügenmaul. Also: Mich nicht mehr äußern. Etwa dazu, wie Spanien idealerweise wählen sollte.

Andererseits: Ich muss es jetzt auch nicht mehr. Ich habe ja eine Ausrede.

Und brauche nicht zu schreiben: „Keine Ahnung!“. Wie Spanien idealerweise wählen sollte.

Ein Publikationsverbot hat unübersehbare Vorteile.

(Josef Bordat)

* König Friedrich Wilhelm I. hat dem Philosophen Christian Wolff, von dem das Motto dieses Blogs stammt („Gott, die Welt und alle Dinge überhaupt“) wegen staatsgefährdenden Atheismus’ „bey Strafe des Stranges“ 48 Stunden Zeit gegeben, Preußen zu verlassen. Manchmal ändern sich nur die Vorzeichen. Und die Legitimation von Macht natürlich auch (1723 gab es noch kein Internet).

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