Kultur der Feigheit

4. Januar 2016


Mit großer Bestürzung habe ich die Vorgänge in der Kölner Silversternacht zur Kenntnis nehmen müssen. Je mehr man sich in die Medienberichte einliest, desto größer wird der Horror. Mittlerweile ist von schweren und schwersten Sexualdelikten in einer großen Zahl an Fällen die Rede, zudem von zigfachem Diebstahl, verübt aus einer Gruppe von angeblich bis zu tausend Männern heraus, nach Zeugenaussagen vorwiegend „nordafrikanischer und arabischer“ Herkunft. Ich hoffe, dass jedes der Opfer in diesen Tagen den Beistand erhält, den es braucht.

So verachtenswert die Taten sind, so wenig taugen sie, alle (männlichen) Flüchtlinge „nordafrikanischer und arabischer“ Herkunft unter Generalverdacht zu stellen. Die Täter müssen identifiziert und gemeinsam mit denen, die Beihilfe leisteten, nach den geltenden Gesetzen verurteilt und bestraft werden. Dass es schwierig werden wird, die im Rechtsstaat nötigen Tatnachweise zu führen, ist mir klar. Schwieriger jedenfalls als allen Männern „nordafrikanischer und arabischer“ Herkunft pauschal eine Schuld zuzuweisen, weil und soweit sie „nordafrikanischer und arabischer“ Herkunft sind.

Das hintergründige Phänomen dieser schier unfassbaren Straftaten ist für mich keine Frage der Herkunft oder Kultur, sondern etwas, das allen Menschen zu eigen ist: Feigheit. Aus der Masse heraus, in der Masse versteckt, anonym, in Deckung – so wird vorzugsweise gehandelt. Das kennt man auch von sexuellen Übergriffen im Oktoberfestzelt oder von Gewalt aus einer Demonstration heraus. Zur Feigheit der Haupttäter gesellt sich rasch die Feigheit der Mitläufer und die Feigheit der Zuschauer.

Immer in Deckung. Immer hinter Anderen verschanzt. Immer unerkannt. Immer anonym. Es ist diese Kultur der Feigheit, gegen die wir ankämpfen müssen. Zunächst einmal jeder für und in sich selbst.

(Josef Bordat)

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