Fortgesetzte Ratlosigkeit nach Saunagang

11. Januar 2016


Abschieben. Alle. Sofort. Der junge Mann in der Sauna ist sich da verhältnismäßig sicher. Seine weiteren Ausführungen drehen sich um „Gastrecht“, „missbrauchen“ und „Gastrecht missbrauchen“. Er unterscheidet zwischen „alten“ und „neuen“ Migranten wie andere zwischen gut und böse. Der Rest hört schweigend zu.

Unter seinen Tätowierungen lässt sich – auch ohne Brille – ein dunkler Teint erkennen. Der junge Mann sieht aus wie ein junger Mann nordafrikanisch-arabischer Herkunft. Er beseitigt letzte Zweifel: „Ich komm‘ ja auch von da unten.“ Er sei aber nicht so. Und auch schon lange in Deutschland. Obwohl er jetzt die Konsequenzen spüre. Es werde immer schwieriger. Mit den Frauen.

Ich wollte etwas erwidern. Dass ihm doch gerade in seinem Bemühen um Abgrenzung klar sein sollte: der Einzelfall entscheidet. Zumal es wohl auch Männer nordafrikanisch-arabischer Herkunft gibt, die sich in der Silvesternacht nicht nur nichts zu schulden haben kommen lassen, sondern potentielle Opfer vor Übergriffen schützten.

Doch es scheint, dass ich zu spät zur Saunadebatte kam. Der Sand in der Uhr war gerade durchgelaufen. Der junge Mann verabschiedete sich. Ergebnis: Es ist nicht einfacher geworden, seit Silvester. Und: Die Ereignisse lassen uns keine Ruhe. Nicht einmal in der Sauna.

(Josef Bordat)

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